Yildiz Magnetmotor

Mike
Beiträge: 11
Registriert: 24.05.2018, 08:49

28.01.2020, 14:45

Im Journal steht, dass H. Kurmann seinen Doktor magna cum laude bekommen hätte. Nicht zu fassen. Auch nicht so tief in der Materie Bewanderte müssten doch sofort sehen, dass die Kernaussage entweder falsch ist, oder den sofortigen Nobelpreis unter Erschütterung von über 100 Jahren Physik bedeutet. Oder dass in der Arbeit eben nicht das steht, was das Journal berichtet. Immerhin, so viele rechtskräftig verurteilte Betrüger waren noch nie drin im Journal. Plus einige ertappte noch nicht verurteilte Betrüger. Plus einige Aussagen, die als feine Satire durchgehen könnten, wenn man es nicht besser wüsste.
asterix
Beiträge: 348
Registriert: 23.05.2018, 08:24

28.01.2020, 15:38

Plus einige ertappte noch nicht verurteilte Betrüger.
Plus etliche rechtlich nicht angreifbare Maschen bei denen Erspartes mit zweifelhaften Methoden auf Konten dubioser Firmen umgeleitet wurde. Jüngstes Beispiel, die Methanolnummer . Eine wirtschaftliche Unmöglichkeit , für die Gelder gesammelt wurde, und die man dann einfach in einer Insolvenz enden lies. Die Geschichte des NET-Journals ist längst zu einer einzigen Anreihung derartiger Geschichten geworden. Es scheint sich zu lohnen.
Das ist meine persönliche Meinung dazu. Basierend auf einer nach bestem Wissen und Gewissen recherchierten Faktenlage.
Maria 0202
Beiträge: 1
Registriert: 23.02.2021, 07:34

23.02.2021, 08:49

Guten Tag,
ich bin neu in diesem Forum und habe mit großem Interesse die Kommentare und Ausführungen zu dem Yildiz Motor und den Annahmen von Professor Duarte gelesen.Ihre Berechnungen sind nachvollziehbar und entsprechen in allen Aspekten den geltenden Regeln. Ich selbst bin Ingenieur und bereise seit Jahren den Globus, um angeblich außergewöhnliche Technologien zu prüfen. Oftmals siedeln sich diese angeblichen Erfindungen tatsächlich im Bereich der Wunschvorstellungen an.
Ich selbst war in Belluno anwesend und habe dem Testlauf beigewohnt. Tatsächlich lief das Aggregat knapp 7 Stunden. Die Anwesenden hatten freien Zugang, sodass natürlich externe Energiezuführung geprüft wurde. Dies war nicht der Fall. Es konnten weder elektrische Zuführungen noch versteckte Akkus gesichtet werden. 
Richtig ist, dass die geplante Last nicht angelegt wurde und nur der Generator lief.
Ich habe bis heute keine Erklärung dafür, dass es überhaupt zu einer Drehbewegung kam und der Generator angetrieben wurde. Vielleicht hat jemand neben den umfangreichen Berechnungen eine Ansatz für eine Erklärung.  Über eine Antwort oder These würde ich mich freuen.
asterix
Beiträge: 348
Registriert: 23.05.2018, 08:24

23.02.2021, 19:26

Hallo Maria 0202 , willkommen im Forum.

Es macht meiner Meinung nach keinen Sinn, darüber zu spekulieren wie das Teil tatsächlich angetrieben wird. Es gibt mit den heute jedem zugänglichen Techniken einfach zu viele Möglichkeiten zur Realisierung von solchen technischen Betrügereien. Man kann z.B. extrem flache Akkus in der Gehäusewandung verbauen. Die Elektronik und den Antrieb nebst drahtloser Ladetechnik oder Energiezufuhr auch. Um Betrug auszuschließen muss man so einen Wunderkasten zur eingehenden Untersuchung auch noch schreddern. Da werden sich alle Schwindler natürlich dagegen wehren.

Der entscheidende Punkt ist aber doch, dass Leute wie Yildiz weder Anstalten machen sich den mit mindestens 800000€ dotierten Nobelpreis zu holen, noch an den anderen noch ausgelobten Preisen irgend ein Interesse zeigen. Vermarktet wird immer über irgendwelche dubiose Methoden. Und die regelmäßig von deren Spezis und Mitverdienern vorgetäuschte Weltrettung, Hungersnotbekämpfung, Armutsbekämpung, Wassernotlinderung, Klimarettung ...  mit den angekündigten Wundern dient offensichtlich nur der Köderung zum Zwecke der Eigenbereicherung. Da hat sich inzwischen eine richtige Industriegemeinschaft heraus gebildet. Versprochen werden Wunder, hinterlassen wurden noch immer nur geprellte Opfer und oft genug auch noch verbrannte Erde. Ich denke, die sich da inzwischen etablierte Vorgehensweise kann man auch objektiv betrachtet nur noch als moralisch ziemlich verkommen bezeichnen. Ehrliche Erfinder sind da noch immer ganz anders vorgegangen. Die Vergangenheit ist ja zum Glück voll davon. Und nur die haben die Welt immer ein Stück weiter gebracht.
Das ist meine persönliche Meinung dazu. Basierend auf einer nach bestem Wissen und Gewissen recherchierten Faktenlage.
Farkho
Beiträge: 3
Registriert: 13.04.2021, 15:49

13.04.2021, 16:02

Gruß Gott zusammen, 

sehr unterhaltsamer Chatverlauf! Habe viel neues gelernt. Eines ist für mich jedoch unklar. 

Für die Herstellung von Neodym Magneten ist doch eine äußere Energiezufuhr notwendig. Die Neodym Magnete sind zeitlich begrenzt magnetisch und verlieren ihre Anziehungskraft über die Zeit.

Warum kann es dann nicht sein, dass der Yildiz Motor nicht einfach durch eine ausgeklügelte Konstellation von Magneten funktionieren kann?

Der Energieerhaltungssatz wäre meines Wissens nach trotzdem gültig, selbst wenn keine Akku's etc. verbaut sein sollten. 
Da das System zu beginn mit Energie aufgeladen wurde und diese einfach wieder abgibt. 

Wie sieht ihr das ?  :wtf:




 
Uatu
Beiträge: 527
Registriert: 23.05.2018, 15:53

13.04.2021, 18:05

@​Farkho: Das Magnetfeld von Permanentmagneten enthält nur sehr wenig Energie. Diese Energie kann man sehr genau berechnen und messen, und sie beträgt selbst bei sehr starken Permanentmagneten üblicherweise nicht mehr als wenige Wattsekunden. Das ist weniger als ein Tausendstel des Energiegehalts einer gewöhnlichen Alkali-Mangan-Mignonzelle. Selbst wenn man diese Energie vollständig "entnehmen" könnte (was nicht ganz einfach ist), würde das nur ausreichen, um ein klassisches Taschenlampenbirnchen wenige Sekunden aufleuchten zu lassen. Die behaupteten -- oder bei betrügerischen Demonstrationen gezeigten -- Ausgangsleistungen von "Magnetmotoren" liegen um mehrere Grössenordnungen über dem, was dem Energiegehalt der verbauten Permanentmagnete entspricht.

Genau diese sehr geringe Energie (zuzüglich Verluste) ist notwendig, um Permanentmagnete bei der Herstellung zu magnetisieren. Der Aufwand dafür ist weitgehend vernachlässigbar. Die Behauptungen einiger bekannter "Magnetmotor"-Propagandisten, dass bei diesem Vorgang erhebliche Energie in den Permanentmagneten gespeichert würde, sind schlichtweg dummes Zeug. Falls das zutreffen würde, müssten Permanentmagnete auch sehr viel teurer sein als sie sind, weil die Energiekosten für die Magnetisierung natürlich in den Verkaufspreis einfliessen.

Ein praktisches Beispiel, um ein "Gefühl" für den Energiegehalt von Permanetmagneten zu entwickeln: Stell Dir einen klassischen Hufeisenmagneten vor. Nun bewege in Deiner Vorstellung langsam eine Weicheisenbrücke auf die Pole zu. Je nach Grösse des Magneten ist die Anziehungskraft ausserhalb eines Bereichs von wenigen Zentimetern weitgehend vernachlässigbar. Bei weiterer Annäherung nimmt die Kraft stark zu, und endet, wenn die Weicheisenbrücke die beiden Pole überbrückt. Da die Weicheisenbrücke einen magnetischen Kurzschluss darstellt, ist das Gesamtsystem im Endzustand nach aussen hin weitgehend unmagnetisch, und kann deshalb keine nennenswerte weitere Arbeit leisten.

Die Arbeit, die bei der Anziehung der Weicheisenbrücke über wenige Zentimeter geleistet wird, entspricht weitgehend der gesamten Energie, die im Magnetfeld des Hufeisenmagneten gespeichert ist. Man könnte z.B. über eine Schnur diese Bewegung auf einen kleinen Dynamo übertragen. Es sollte einleuchten, dass dieser Dynamo (auch bei einem grosszügig angenommenen Wirkungsgrad von 100%) aufgrund der geringen Bewegungsstrecke nur eine winzige Menge an elektrischer Energie erzeugen kann. Mehr Energie (in relevantem Umfang) ist im Magnetfeld des Hufeisenmagneten nicht enthalten.
asterix
Beiträge: 348
Registriert: 23.05.2018, 08:24

14.04.2021, 12:18

Farkho hat geschrieben:
13.04.2021, 16:02
Gruß Gott zusammen, 
Für die Herstellung von Neodym Magneten ist doch eine äußere Energiezufuhr notwendig. Die Neodym Magnete sind zeitlich begrenzt magnetisch und verlieren ihre Anziehungskraft über die Zeit. 
Da wird nur mit einem kurzen Stromstoß alles magnetische in eine Richtung gezwungen. Vergleichbar mit dem spannen einer Feder. Die kann man auch nur einmal entspannen um die Energie wieder rauszuholen. Und Uatu hat es ja schon geschrieben, in einem Magneten ist nicht viel Energie drin. Genau so wenig, wie in einer von den Kräfteverhältnissen her analogen Feder.
 
Das ist meine persönliche Meinung dazu. Basierend auf einer nach bestem Wissen und Gewissen recherchierten Faktenlage.
Farkho
Beiträge: 3
Registriert: 13.04.2021, 15:49

17.04.2021, 14:23

Sehr einleuchtend! Danke. Eure Berechnungen und der Nachtrag von Dr. Jorge, dass seine Berechnungen Falsch waren und der Magnetmotor keinen Energieüberschuss erzeugt, ist soweit nachvollziehbar. 
 
Nun noch eine kleine Frage:
Könnte man nicht einen funktionstüchtigen Magnetmoren bauen, ohne zusätzliche Energie einzubringen, wenn man den Stator und den Rotor aus Materialien fertigt, die die Anziehungs- oder Abstoßkräfte der Magnete eliminieren oder sehr sehr stark abschirmen :?:  :crazy:

Ich würde mich über Eure Gedanken dazu sehr freuen...
 
Uatu
Beiträge: 527
Registriert: 23.05.2018, 15:53

18.04.2021, 04:48

@​Farkho:
Könnte man nicht einen funktionstüchtigen Magnetmoren bauen, ohne zusätzliche Energie einzubringen, wenn man den Stator und den Rotor aus Materialien fertigt, die die Anziehungs- oder Abstoßkräfte der Magnete eliminieren oder sehr sehr stark abschirmen :?: :crazy:

Mir ist nicht klar, wie Du das genau meinst. Es gibt zwar sehr viele Perpetuum-Mobile-Entwürfe, die auf der Abschirmung von Magnetfeldern beruhen, aber dabei wird die Abschirmung üblicherweise zwischen den/die Permanentmagneten und irgendeine Art von Abnehmer (mechanischer oder elektrischer Art) gebracht. Ein solches Perpetuum Mobile habe ich sogar selbst mal als Teenager "erfunden" ;):

Magnetischer_Abschirmungs_Generator.png
Magnetischer_Abschirmungs_Generator.png (38.12 KiB) 790 mal betrachtet

Der Grundgedanke war, dass man aus einem schwankenden magnetischen Feld Energie gewinnen kann. Das ist soweit auch richtig. Der rotierende C-förmige Läufer sollte an dem Ort, an dem er sich jeweils befindet, das Magnetfeld des Ringmagneten "kurzschliessen", und dadurch das Magnetfeld im weiter aussen befindlichen Bereich (weitgehend) "abschalten". Sofern der Läufer aus einem magnetisch sehr gut, und -- zur Vermeidung von Wirbelströmen -- elektrisch sehr schlecht leitendem Material besteht, lässt er sich nahezu widerstandsfrei bewegen (der Reibungswiderstand sei dabei als vernachlässigbar angenommen). Das ist soweit auch noch richtig. Sobald der Läufer bei der Spule "vorbeikommt", wird durch die Veränderung des Magnetfelds im Bereich der Spule darin eine Spannung induziert. Es entsteht also eine Spannung in der Spule, obwohl die Bewegung des Läufers (von als vernachlässigbar angenommenen Verlusten abgesehen) widerstandsfrei ist, d.h. keinen relevanten Energieaufwand erfordert. Fertig ist das Perpetuum Mobile! ;)

Es gibt natürlich einen Haken, auf den ich damals nach einiger Zeit selbst gekommen bin. Sobald man eine Last an die Spule anschliesst, entsteht aufgrund des Lenz'schen Gesetzes ein Gegen-Magnetfeld, das der auslösenden Magnetfeld-Änderung entgegenwirkt. Konkret bedeutet das, dass der Läufer gebremst wird, und zwar mit einer Kraft, die idealisiert genau der Energie entspricht, die man an der Spule abnimmt. Das Ganze funktioniert also prinzipiell, ist aber ein ganz gewöhnlicher -- und in diesem Fall ziemlich ineffizienter -- Generator.

Ähnliches würde geschehen, wenn man versuchen würde, die Magnetfeldschwankungen irgendwie mechanisch zu nutzen. Jeder Versuch, das zu tun, hat zur Folge, dass das Magnetfeld des Ringmagneten inhomogen wird. In einem inhomogenen Magnetfeld lässt sich der Läufer aber nicht mehr widerstandsfrei bewegen. Auch in diesem Fall ist die entnehmbare Energie -- völlig egal, wie die Konstruktion im einzelnen aussieht -- immer geringer, als die Energie, die notwendig ist, um den Rotor zu drehen.

Bei allen Konstruktionen, die im weitesten Sinne auf magnetischer Abschirmung beruhen, lässt sich zeigen, dass das "Schalten" der Abschirmung -- völlig egal, wie es genau bewerkstelligt wird -- mehr (bzw. idealisiert genauso viel) Energie erfordert, als sich an Ausgangsenergie ergibt. Je nach Komplexität der Konstruktion kann der Nachweis allerdings u.U. erheblichen Aufwand erfordern.

Die Gesetzmässigkeiten, die im Elektromagnetismus (das schliesst jede Verwendung von Permanentmagneten ein) für die Energieerhaltung sorgen, sind genauso wenig überlistbar wie die Gesetzmässigkeiten der Mechanik. Da die Energieerhaltung auf der untersten Ebene -- die sich aus den Maxwell'schen Gleichungen ergibt (das Lenz'sche Gesetz ist eine Folge davon) -- gewährleistet ist, kann keine noch so komplizierte Konstruktion einen Energiegewinn ergeben. Bestimmte elektromagnetische Vorgänge sind allerdings hochgradig unintuitiv (ein bekannter Fall ist z.B. das Hering-Paradoxon), so dass die Fehler bei elektromagnetischen Perpetuum Mobiles oft wesentlich schwerer erkennbar sind als bei rein mechanischen Konstruktionen.

Allgemein wird meiner Erfahrung nach viel zu viel in Magnetismus hineingeheimnist. Das Thema ist in einer Breite und Tiefe erforscht, von der die meisten Menschen keine Vorstellung haben, siehe z.B. den fast 1000-seitigen Jackson, der seit Jahrzehnten das internationale Standardwerk zum Elektromagnetismus (was Permanentmagnetismus einschliesst) darstellt. Das ist auch -- um einem beliebten Vorurteil zuvorzukommen -- keine blosse Theorie. Dieses Wissen ist millionenfach in der Praxis bestätigt. Ein schönes Beispiel dafür ist die folgende Grafik:

QEG_Sim_Asterix_Overlay.jpg
QEG_Sim_Asterix_Overlay.jpg (218.7 KiB) 789 mal betrachtet

Das ist eine Überlagerung einer realen Oszilloskopmessung dieses Apparats mit einer theoriebasierten Simulation, die ich im Rahmen dieses Beitrags erstellt hatte. Bei der Simulation ist die Spannungskurve grün und die Stromkurve blau, während bei der überlagerten Oszilloskopmessung des realen Apparats die Spannungskurve rot, und die Stromkurve gelb ist. Obwohl die Simulation ursprünglich für einen ganz anderen Zweck (der Simulation des Verhaltens eines QEGs) erstellt wurde, ist die Übereinstimmung so gut, dass die Kurven teilweise kaum auseinanderzuhalten sind.
Farkho
Beiträge: 3
Registriert: 13.04.2021, 15:49

22.04.2021, 14:07

Das ist mit Abstand die fortgeschrittenstes Konzept, was ich auf dem Gebiet gehört habe. Schade, dass es nicht funktioniert hat. Obwohl mir immer noch nicht ganz klar geworden ist warum... Sehr Schade, aber ich glaube das zeigt, dass du in frühen Jahren schon Köpfchen hattest. 
Antworten
  • Information