Ignitrone im Tesla Pierce-Arrow?

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Uatu
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27.06.2018, 17:02

Ein besonders kurioser Abschnitt in Herrn Schneider's Vortrag zum Tesla Pierce-Arrow auf der BINNOTEC-Konferenz im November 2017 (Video 2. Teil, @12:45) war mir bisher noch gar nicht aufgefallen. Herr Schneider stellt dort die unsinnigen Ideen des US-amerikanischen Ingenieurs Michael G. zur Schaltung des "Energie-Empfängers" des mythischen Tesla Pierce-Arrows vor. Da diese Ideen bisher wenig Resonanz gefunden haben, behandle ich sie hier separat, und nicht im Tesla Pierce-Arrow Thread. Michael G. vermutet, dass in der "Leistungsendstufe" des "Energie-Empfängers" sogenannte Ignitrone eingesetzt wurden.

Tesla_Pierce-Arrow_Ignitron_X.png
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(Vortrag von Adolf Schneider auf der BINNOTEC-Konferenz im November 2017, Video 2. Teil, @13:30)

Richtig ist, dass Ignitrone sehr hohe elektrische Ströme schalten können, und in den 1930ern von Westinghouse auf den Markt gebracht wurden. Jeder Versuch, einen Zusammenhang mit dem Thema Tesla Pierce-Arrow herstellen zu wollen, ist jedoch Unsinn.

In der unternehmenseigenen Zeitschrift "Westinghouse Engineer" vom November 1946 (pdf), S. 2 (re pdf), wird die Geschichte der Entwicklung des Ignitrons beschrieben. Die entscheidende Entdeckung, die dem Ignitron zugrunde liegt -- eine Halbleiter-Zündelektrode -- wurde 1932 von einer Westinghouse-Forschungsgruppe um J. Slepian gemacht. Im Januar 1933 stellten J. Slepian und L. R. Ludwig das Funktionsprinzip des Ignitrons auf der Winter Convention des AIEE (American Institute of Electrical Engineers) vor: "A New Method for Initiating the Cathode of an Arc". Im Juni 1933 stellte Westinghouse das Funktionsprinzip des Ignitrons in der bekannten Zeitschrift "Electronics" einem breiteren Publikum vor: "The Ignitron -- a new controlled rectifier" (pdf), S. 20 (re pdf). Erst 1934 kamen die ersten kommerziellen Ignitrone auf den Markt, die jedoch noch auf Spezialanwendungen (insbesondere Elektroschweissen) beschränkt waren. Es dauerte noch Jahre, bis universell einsetzbare Ignitrone marktreif entwickelt waren.

1930/1931, als angeblich die Testfahrten mit dem Tesla Pierce-Arrow stattgefunden haben sollen, war also noch nicht mal das Funktionsprinzip des Ignitrons entdeckt.

Dass Ignitrone mit nennenswerten Leistungen eine Wasserkühlung brauchen (siehe z.B. diesen Westinghouse-Prospekt (pdf) von 1938), und dass Ignitrone aufgrund ihres inneren Aufbaus im Betrieb nur sehr geringen Neigungen ausgesetzt werden dürfen (siehe z.B. hier), was sie für einen Einsatz in einem Auto weitgehend unbrauchbar macht, muss ich wohl gar nicht mehr erwähnen.

 
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