Methanol - Sprit aus CO2

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21.01.2020, 11:38

Derzeit wird wieder mächtiger Glaube in Richtung von Wundersprit verbreitet. Die Autoindustrie hat da natürlich auch ein großes Interesse dran. Es gibt alleine von daher dann auch schon etliche Untersuchungen dazu. Ich habe auch eine halbwegs überschaubare gefunden.

Zum Thema Methanol mit CO2 aus der Luft hat das Deutschen Bundesstiftung Umwelt Land Baden-Württemberg vor einigen Jahren eine Studie gefördert. Die Studie lief von 01.03.2012-31.08.2014. Das Ergebnis ist in einem Abschlussbericht Abschlussbericht auch für Nichtchemiker gut nachvollziehbar dargestellt. Bilder von der Testanlage sind auch in dem Bericht enthalten.

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Verfahren.png (40.01 KiB) 1070 mal betrachtet

Man braucht nur Luft, Wasser und genug Energie. Die Energie für das Methanol bringt der durch Elektrolyse erzeugte Wasserstoff mit. Das CO2 wird zwar auch noch mit Energiezufuhr aus der Luft „gefiltert“, trägt aber nur zur Verflüssigung der Zutaten bei. Der dazu eingesetzte Energieanteil geht verloren. Von daher sind Sätze wie -Sprit aus CO2- eigentlich ziemlich missverständlich.

Die Untersuchungsergebnisse zu einigen unterschiedlichen Verfahren sind in dem Bericht in einer Tabelle zusammengefasst:

Tabelle.png
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https://www.sfv.de/pdf/Report_000700_ZS ... OH_LQ2.pdf

Am Beispiel der Methanolherstellung mit CO2-Abscheidung aus der Atmosphäre sieht man, wie die einzelnen Positionen in der Tabelle ermittelt wurden:

Systemkette.png
Systemkette.png (192.27 KiB) 1070 mal betrachtet
https://www.sfv.de/pdf/Report_000700_ZS ... OH_LQ2.pdf


1. CO2-Anreicherung aus der Luft: 3,6 kWh/l MeOH
2. Elektrolyse und Synthese: 7,58 kWh/l MeOH
3. Transport des MeOH: 0,243 kWh/l MeOH
4.Verteilung zu den Tankstellen: 0,009 kWh/l MeOH

Zur Herstellung von 1l Methanol sind damit etwa 11,432 kWh erforderlich. Mit einem Energieinhalt von 4,378 kWh/l ergibt sich die energetische Effizienz von 38%. Bei der Gesamtsystemeffizienz von 9% ist noch der Wirkungsgrad des Autos mit eingerechnet. Der Wert ist in Verbindung mit der E-Mobilität interessant, weil Elektromotore ja einen viel höheren Wirkungsgrad als Verbrennungsmotore haben. Wenn die Energie dann noch von einem Akku geliefert wird ergeben sich da ziemlich große Unterschiede beim Vergleich der entsprechenden Gesamtbilanzen.

Im Netz wird dazu etliches an Falschmeldungen gestreut. Anders als das einige Gestalten im Netz verbreiten, ist die Energie aus dem Methanol das über atmosphärisches CO2 erzeugt wurde etwa 5 mal teurer als Energie aus Benzin oder Diesel. Es stimmt auch nicht, dass dieses Methanol in der Schweiz unter eine CO2-Steuer fällt. Umweltbedingte CO2-Abgaben gibt es dort, wie in Deutschland auch, nur auf fossile Energieträger.

Der Heizwert von Methanol ist mit 4.361 kWh/l nur etwa halb so hoch wie der von Diesel oder Benzin (~10kWh/l). Damit kommt man mit einer Tankfüllung auch nur etwa halb so weit, wie mit einer Tankfüllung Diesel oder Benzin. Um 1l Benzin/Diesel zu ersetzen muss man etwa 2l Methanol tanken. Bei Flugzeugen eigentlich vom daraus resultierenden Gewichtszuwachs her schon nicht mehr hinnehmbar.

Man sieht eigentlich schon am Produktionsprozess, dass auch die wasserstoffbasierten Energiespeicher energetisch betrachtet deutlich günstiger sein müssen. Interessant wäre einmal eine Untersuchung, wie es langfristig mit Akkus aussieht. Die sind ja mit einem derzeit unschlagbaren Wirkungsgrad auffüllbar und das Lithium müsste sich eigentlich auch zu annähernd 100% recyclen lassen.


Merkwürdig ist dann, dass eine Schweizer Firma anscheinend mit so einer Anlage auf den Markt gehen will, obwohl auch dort die Problematik bekannt ist.

Laut Schätzungen von Silent Power, einem Schweizer Unternehmen, das sich der Energieproduktion aus Methanol verschrieben hat, werden für die Herstellung von 1 Kilogramm Methanol etwa 12 Kilowattstunden (kWh) Energie benötigt.
10.04.2017  https://www.fuw.ch/article/mit-methanol ... imawandel/
Bei einem Energiegehalt von 5.5kWh/kg macht das einen Wirkungsgrad von etwa 46%. Etwa das, was die Modellstudie der Uni Freiburg im bestmöglichen Bereich auch eruiert hat.

Erstaunlich, dass man vorgibt, das energieintensiv erzeugte Nass dann trotzdem „vermarkten“ zu wollen.

Um die erste Anlage zur Herstellung von Methanol in der Schweiz zu realisieren, hat die Silent Power AG eine neue Tochterfirma gegründet.

Eröffnung der Anlage 2019 geplant

Die Finanzierung der Silent Power Projects AG und der ersten Methanolsyntheseanlage wird laut Mitteilung der Firma über ein ICO (Initial Coin Offering) erfolgen. Es handelt sich dabei um eine unregulierte Methode des Crowdfundings, die von Firmen verwendet wird, deren Geschäftsmodell auf Kryptowährungen basiert. Der Verkauf der Token genannten Anteile wurde mit einer Rabattaktion in den Sommermonaten eröffnet und werde am 1. Oktober offiziell lanciert, teilte Silent Power mit. 

04.07.2018  https://www.energate-messenger.ch/news/ ... heseanlage

Stellt sich die Frage, für wen so etwas bei 5 mal so hohen Kosten gegenüber Benzin/Diesel letztendlich wirtschaftlich sein sein soll. Da fällt mir eigentlich keiner ein. Außer dem „Tokenvermarkter“ natürlich.

Die üblichen Akteure haben auch noch fleißig geworben. Eigentlich ein zuverlässiges Zeichen, dass man die Finger davon lassen sollte. Zumal an Stelle von brauchbaren technischen Daten wie üblich nur Glaube unter die Leute gebracht wurde. Und dass pro Kilogramm Methanol etwa 12 Kilowattstunden Energie benötigt werden, hat man anscheinend auch „vergessen“ zu berichten.

Und es kam mal wieder das, was kommen musste.

Silent-Power (Projects) AG in Liquidation
Status: in Auflösung
...
(Silent-Power (Projects) Ltd. in liquidation). Mit Entscheid des Einzelrichters des Kantonsgerichts Zug vom 28.08.2019, 10.00 Uhr, wurde die Gesellschaft gemäss Art. 731b OR aufgelöst und ihre Liquidation nach den Vorschriften über den Konkurs angeordnet.
SHAB - 25.09.2019   https://www.easymonitoring.ch/handelsre ... ag-1156572
Darüber findet man in der einschlägigen Presse natürlich nichts. Ganz wie gewohnt. Im Gegenteil, die Masche wird in der Wiederholung beworben. Man hat ja gelernt, dass man so etwas beliebig oft wiederholen kann, Und an der Resonanz sieht man, dass die Masche nach wie vor zumindest bei etlichen Leuten noch zieht. Es würde viele sicher auch einmal interessieren, was über das Initial Coin Offering so an Geldern eingegangen ist. Vor allem die, deren Ersparnisse wieder einmal auf nimmer Wiedersehen dabei verschwunden sind.

Irgendwann wird synthetischer Kraftstoff mit atmosphärischem CO2 vielleicht einmal eine Daseinsberechtigung bekommen. In absehbarer Zeit sehe ich keine. Um die gleiche Menge Energie zu puffern wie in einem gängigen Akku braucht man bei allen bekannten Varianten mehr als die doppelte Anzahl an Windrädern, weil über die Hälfte der Energie beim Speichern ja verloren geht. Die Bilanz verschlechtert sich beim Verwenden der Energie noch einmal, wenn man bedenkt, dass man die im Sprit gespeicherte Energie in einem Verbrennungsmotor nur sehr ineffektiv und über den Umweg Brennstoffzelle auch nicht sonderlich effektiv nutzen kann. Bei der Mobilität spielt die Gesamtsystemeffizienz eine ziemlich entscheidende Rolle. Im Haushaltsbereich sieht es aber auch nicht wirklich viel besser aus.

Man könnte noch auf die Idee kommen CO2-neutralen Sprit über Atomkraft herzustellen. Bleibt zu hoffen, dass die EU die Atomkraft nicht als „umweltfreundliche Technologie“ fördern wird, wie das ja einige Länder fordern. Das könnte eine echte Lawine auslösen. In 2018 wurden in Deutschland 55,9 Mio. Tonnen Kraftstoff verbraucht . Macht 55,9 Mrd. kg was bei 12kWh/kg etwa 671 Mrd. kWh macht. Der jährliche Stromverbrauch liegt in Deutschland bei um die 600 Mrd. kWh . Um den Kraftstoff durch einen synthetischen Kraftstoff zu ersetzen, bräuchte man noch einmal über 1300 Mrd. kWh zusätzliche Kraftwerksleistung. Da werden wohl ganz andere Wege nötig sein um CO2-neutral zu werden.
Das ist meine persönliche Meinung dazu. Basierend auf einer nach bestem Wissen und Gewissen recherchierten Faktenlage.
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