Hans Coler

Raumenergie Historie
Benutzeravatar
Rudi
Beiträge: 107
Registriert: 24.05.2018, 06:54

07.06.2018, 10:29

Hallo zusammen !
Das ist mein erster Thread, den ich nahzu unverändert aus dem alten Forum "Energiederzukunft.org" übernehme. Aus gegebenem Anlass ;) fange ich mit Hans Coler an. Da dieser Thread viel kommentiert wurde, ich mir aber die Arbeit ersparen möchte, alles zu übernehmen, werde ich nur das übernehmen, was ich auch geschrieben habe. Tut mir ein wenig leid um die Kommentare, aber diese sind weiterhin vollständig vorhanden, bei Interesse bitte hier vorbei sehen (allerdings ohne Anlagen, die gibt es hier :thumbup: ).
Also, los gehts.
Benutzeravatar
Rudi
Beiträge: 107
Registriert: 24.05.2018, 06:54

07.06.2018, 10:32

Hallo zuammen,

ich möchte mal einen neuen Thread aufmachen über meinen ausgesprochenen Liebling der Freien Energie Szene. Es geht um - wie der Titel natürlich sagt - Hans Coler.

Ich habe in den vergangenen Jahren speziell zu Hans Coler viele Nachforschungen angestellt. Was ich da herausbekommen habe, hat mir manchmal den Atem verschlagen und geht weit über das hinaus, was bekannt ist :o .  Ich habe lange Zeit überlegt, was ich mit dem Material anfangen kann und hatte ursprünglich vor, daraus ein Buch zu machen.
Ich habe dann mehrere Versionen angefangen, zuerst als Roman, musste aber feststellen, das ich nicht als Schriftsteller geeignet bin. Die nächste Fassung war dann etwa so etwas wie eine reine Zusammenstellung der Fakten, also eher ein Tatsachenbericht, aber auch damit war ich nicht zufrieden. Die Materialien sind dann erstmal lange Zeit liegen geblieben, ohne dass ich recht wusste, was damit zu tun.

Weil ich es sehr schade finde, wenn die Materialien nicht den Weg in die Öffentlichkeit finden, habe ich mich jetzt entschlossen, alles was ich darüber weiß, hier zu veröffentlichen (sofern niemand anders die Rechte dazu hat). Es gibt nur eine Ausnahme, die ich nicht direkt veröffentlichen darf, das werde ich dann nur beschreiben, aber dazu später mehr.

Die ganze Geschichte ersteckt sich vom 29.04.1898 bis um 20.12.1947 und ist keineswegs lückenlos. Wenn ich das hier veröffentliche,verspreche ich mir davon auch, dass wir zusammen vielleicht die Möglichkeit haben, die fehlenden Teile zu finden.

Ich werde das hier nicht chronologisch beschreiben, sondern so, wie ich die ganze Geschichte kennengelernt habe. Das ist denke ich mal für alle Leser spannender als einfach nur die Aufzählung. Es werden übrigend alle Theorien bedient, es ist für jeden etwas dabei, egal ob es sich um einen Skeptiker oder einen Verschörungstheoretiker handelt, sollte sich also für alle lohnen :lol: : .

Die Informationen führten dazu, dass ich vor einiger Zeit einen Stromerzeuger (nicht den Magnetstromapparat !)gebaut habe, der - wenn wunderts - jedoch nicht funktioniert hat  :wtf: . Soweit erstmal zur Einleitung. Ich bitte dann um Rücksicht, wenn das nicht ganz so schnell geht, ich muss das Material immer aufbereiten, deshalb lohnt es sich hier immer wieder mal vorbeizukommen. Das wars erst mal als Einleitung...Wenn es dazu etwas zu sagen gibt, bitte einfach schreiben. Das hier soll nicht mein Privatthread bleiben. Aber bitte nur, wenn es zum Thema gehört, damit ein Leser den Faden nicht verliert.

Fortsetzung folgt
Zuletzt geändert von Rudi am 14.06.2018, 11:41, insgesamt 2-mal geändert.
Benutzeravatar
Rudi
Beiträge: 107
Registriert: 24.05.2018, 06:54

07.06.2018, 10:36

Teil 1: Hans Coler und die UFOs

Jetzt werden sich einige Fragen, was denn um alles in der Welt Hans Coler eigentlich mit UFOs zu tun hat. Die Antwort ist leicht. Ich wollte ja so berichten, wie sich mir diese Geschichte erschlossen hat und das begann nun mal mit UFOs.

Ich interessiere mich nämlich für UFOs. Nicht deshalb, weil ich daran glaube, aber ich glaube, dass die Menschen "etwas" gesehen haben, und das finde ich spannend. Das kann eine ganze Menge über Menschen erzählen, finde ich jedenfalls. So kam es also, dass ich bei der Suche im Netz nach Neuigkeiten zu dem Thema bei den unsäglichen "Haunebus" hängen geblieben bin. Ich will jetzt nicht langweilen damit, was es damit auf sich hat, aber für mich hörte sich die Geschichte der Haunebus etwas (vorsichtig ausgedrückt) befremdlich an. Im Netz gibt es eine ganze Menge Menschen, die dran glauben und mehr noch, sich darüber auch noch Gedanken machen, wie man so etwas bauen kann. Richtig, da war ich schon ein wenig baff. Da gab es tatsächlich Foren, in denen das diskutiert wurde (www.hohle-erde.de/cgi-bin/yabb/YaBB.pl?num=1073946733/0 Anmerkung:Link ist mittlerweile tot).
Ich habe bis heute kein Haunebu in Aktion gesehen (möglicherweise ist es aber auch beim ersten Probeflug von den MIB abgeschossen worden..).
Ich habe mich aber trotzdem dafür interessiert, wie von so etwas eigentlich der Antrieb aussehen sollte und woher da die Energie bezogen wird. Bei der Suche danach bin ich immer wieder auf zwei Namen gestoßen, und zwar auf Viktor Schauberger (häufig) und Hans Coler (seltener). Beide Namen waren für mich neu und so begann ich darüber zu recherchieren. Bei Viktor Schauberger bekam ich bald raus, dass es sich im Wesentlichen nur um Geschichten vom Hörensagen handelt, damit konnte ich nichts anfangen. Anders bei Hans Coler. Bei dem wurde immer über einen BIOS-Bericht geschrieben, der wohl die Bauanleitung für eine Freie Energie Maschine beinhaltete. Ich hatte keine Ahnung, was BIOS ist und machte mich deshalb auf die Suche nach diesem ominösen Bericht.
Die erste Version, die ich gelesen habe, fand sich auf den Seiten von Rexresearch. Die Link befindet sich hier: www.rexresearch.com/coler/colerb.htm . Der Bericht selbst bestand aus mehreren HTML-Seiten und ein paar angehängten Grafiken. In dem Bericht habe ich dann erfahren, was es mit "BIOS" eigentlich auf sich hat ("British Intelligence Objectives Sub-Committee", das ist offensichtlich eine Einrichtung der Briten gewesen, die nach dem zweiten Weltkrieg die Überreste von Deutschlang nach verwertbarem geistigem Eigentum durchsuchte). Dieser Bericht war äußerst spannend zu lesen, kann ich nur jedem empfehlen. Den Inhalt dürfte allgemein bekannt sein, deshalb hier die Beschreibung in aller Kürze:
  • Hans Coler wurde von zwei Personen mit Namen Hurst (vom Versorgungsministerium) und Sandberg (Offizier der norwegischen Armee) vernommen
  • Er behauptete, einen Magnetstromapparat und einen Stromerzeuger bauen zu könnenDer Magnetstromapparat ist relativ einfach aufgebaut mit nur geringer Leistung jedoch ohne externe Stromversorgung
  • Der Stromerzeuger ist komplizierter zu bauen, gibt insgesamt etliche KW ab und muss mit externer (kleiner) Batterie betrieben werden
  • Hans Coler willigte ein, zu Demonstrationszwecken den Magnetstromapparat zu bauen, was ihm in der Folge unter Aufsicht auch gelang
  • Der Magnetstromapparat konnte daraufhin in Betrieb genommen werden und gab eine Spannung von etwa 450mV über einige Stunden ab.
Weiterhin noch einige historische Daten. So wurde berichtet, dass er zu seinem Stromerzeuger diverse Gutachten von Professoren beilegen konnte und dass er durch Dr. Friz Modersohn unterstützt wurde und weiterhin gegen Ende des Krieges durch Dr. H. Fröhlich, der im Auftrag des OKM handelte. Gegen Ende des Berichts wurden dann noch als Anlage die Übersetzungen der Gutachten der Herren Kloss und Franke sowie Schumann, und ein Patent, bei dem die Namen Coler und Modersohn auftauchen, beigelegt, was aber irgendwie überhaupt nichts mit der Sache zu tun zu haben scheint. Weiterhin war noch ein Bericht von Herr Fröhlich angefügt, in dem über die Zusammenarbeit mit Coler berichtet wurde.

Das ganze habe ich in einem Rutsch durchgelesen und hinterher gedacht, dass es schade ist, dass das alles leider gefälscht ist (dachte ich jedenfalls !). Aber über die Detailtiefe war ich schon ein wenig erstaunt. Meine Skepsis damals beruhte darauf, dass es eben nur HTML-Code war, der da abgedruckt ist, ansonsten noch ein paar Bilder und - als einziges Dokument, von dem ich mir dachte, dass es tatsächlich authentisch ist - das Patent von Hans Coler und Fritz Modersohn. Diese beiden schien es wirklich zu geben, ansonsten gilt natürlich: HTML-Code kann (fast) jeder erzeugen.

Fortsetzung folgt....
Benutzeravatar
Rudi
Beiträge: 107
Registriert: 24.05.2018, 06:54

08.06.2018, 12:38

Teil 2

Spurensuche Hans Coler

Wie beschrieben, fand ich die Detailtiefe des BIOS-Berichtes erstaunlich. Erstaunlich genug, dass ich mich in den Weiten des Internets auf die Suche nach weiteren Informationen machte. Hierzu gehörten für mich in erster Linie Informationen zu den Herren Kloss, Franke und Schumann, die die Gutachten erstellt haben. Ich bin da relativ schnell fündig geworden. Bei Max Kloss handelt es sich sogar um einen Rektor der Berliner Hochschule (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Rektoren_der_Technischen_Universit%C3%A4t_Berlin). Sowohl der Herr Franke als auch der Herr Kloss wurden weiterhin im Vorlesungsverzeichnis der Berliner Universität von 1927 geführt, der Herr Franke ist zu dieser Zeit sogar Mitglied im Senat, wie man im Vorlesungsverzeichnis der Berliner Uni von 1926 sehen kann:

 
J-FE-TUB_VV_1926_1927_19.pdf
(134.41 KiB) 18-mal heruntergeladen
Quelle:http://opus.kobv.de/tuberlin/volltexte/2009/2444 (Link nicht mehr vorhanden)

Über den Herrn Schumann stößt man relativ schnell auf einen Artikel im Wiki (Winfried Otto Schumann), auch dieser scheint somit authentisch zu sein. Der Herr Schumann war Übrigends zu der Zeit, als das Gutachten geschrieben wurde, Angestellter der TU München. München wird uns noch später unterkommen.

Da hat sich also jemand die Mühe gemacht, einen HTML-Bericht zu schreiben und diesen durch authentische Personen zu untermauern. Mein Interesse wurde mehr und mehr geweckt. Bei der weiteren Suche im Netz stieß ich dann endlich auch den BIOS-Bericht im Original.

bio_rep1.pdf
(2.91 MiB) 25-mal heruntergeladen
Quelle:http://www.tesla-coil.com/hans-coler.htm (Link nicht mehr vorhanden)

Ab da war ich restlos davon überzeugt, dass diese ganze Geschichte authentisch ist (aber ich hatte noch keine Ahnung, worauf das hinauslief).

Ich konnte es einfach nicht glauben, dass der BIOS-Bericht nur damit endet, dass etwas funktioniert hat, aber ich nicht erfahren konnte, wie es weitergeht. Ich habe dann erstmal versucht, mich mit der Person von Hans Coler vertraut zu machen und herauszufinden wie und wo er denn eigentlich gelebt hat. Eine gute Anlaufstelle für so etwas sind alte Telefonbücher und da wurde ich tatsächlich fündig. Es gibt da folgende Eintragungen:

1914-1917: Coler,H, Ingen., Kurfürstenstr. 3
1918-1923: Coler, H. Oberleutnant, Kurfürstenstr. 3
1924-1927: Coler, Hans, Ingenieur, Hauptmann a.D., Lankwitz, Kurfürstenstr. 2
Danach konnte ich erstmal keine weitere Adresse ermitteln, erst wieder ab 1935:
1935-1943: Coler, Hans, Ingenieuer,Friedenau, Kaiserallee 110 Danach ist keine Adresse mehr zu ermitteln. Der Eintrag von 1939 ist noch interessant, deshalb habe ich den hier mal eingefügt:

 
Coler39.jpg
Coler39.jpg (97.64 KiB) 1296 mal betrachtet

Offensichtlich hat Hans Coler also in jungen Jahren (er war 1914 27 Jahre alt) bereits als Ingenieur gearbeitet, war dann im ersten Weltkrieg und wurde danach als Hauptmann entlassen. Damit erklärt sich auch, warum Hans Coler im BIOS-Bericht immer als "Captain" bezeichnet wird. Er war nämlich kein Kapitän, wie gerne manchmal behauptet wird, sondern ein Hauptmann a.D., im englischen entspricht dies der Bezeichnung "Captain".

Es lässt sich sogar finden, womit Hans Coler sein Geld als Ingenieur verdient hat: Er hat Flugzeuge konstruiert, wie man auf diesem Bild

 
Eindecker3.jpg
Eindecker3.jpg (40.64 KiB) 1296 mal betrachtet
Quelle: www.christ-stamps.com (link nicht mehr vorhanden)

und hier
p300308531.jpg
p300308531.jpg (9.43 KiB) 1296 mal betrachtet
 Quelle:www.philasearch.com (link nicht mehr vorhanden)

und hier aus der "Luftflotte" von 1909:

leutnantcoler.jpg
leutnantcoler.jpg (100.82 KiB) 1296 mal betrachtet
 Quelle: http://www.theaerodrome.com/forum/showthread.php?t=45357#post493557

Das waren doch schon mal ein paar neue Informationen. Aber Fortsetzung folgt...
Benutzeravatar
Rudi
Beiträge: 107
Registriert: 24.05.2018, 06:54

08.06.2018, 13:25

Teil 3

Der Bericht der Reichskanzlei (1)

Jetzt wird es wirklich spannend und auch richtig neu. Es war nämlich nicht so, dass Hans Coler auf einmal 1925 aufgetaucht ist mit einem Stromerzeuger unter dem Arm.
Das Ganze hat eine Vorgeschichte, die in einer Aktensammlung der alten Reichskanzlei den Krieg überdauert hat. Ich werde dann mal nach und nach diese ganzen Akten veröffentlichen, Hier also der erste Teil. Die Seiten der Nummerierung nach lesen, also mit der "001" anfangen. Die Stückelung in verschiedene Abschnitte hat rein dramaturgische Gründe, weil ich die Spannung hoch halten will  :angel: . Die "Abschrift des Gutachtens", von der in diesem Teil die Rede ist, habe ich noch nicht beigelegt, das spare ich für den nächsten Teil auf. ;)

Schönes Wochenende !

Hier der erste Teil:RK001-009
Quelle: Bundesarchiv, Bestellsignatur R 43 I/1186
Zuletzt geändert von Rudi am 12.06.2018, 12:10, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Rudi
Beiträge: 107
Registriert: 24.05.2018, 06:54

08.06.2018, 13:27

Normalerweise hätte ich jetzt eine kleine Abhandlung über Willi von Unruh, bzw. über dessen Bruder Hans von Unruh eingeschoben. Ich weiche hier mal aus dramaturgischen Gründen von ab :angel: und werde gleich mit dem nächsten Teil des Berichts der Reichskanzlei fortfahren. Bei wem es "klingelt", wenn er die folgende erste Seite liest, bekommt ein (virtuelles) Bier, wenn es nicht klingeln sollte, dann sollte man noch einmal den BIOS-Bericht lesen. Hier also der nächste Teil (nicht wundern, dass die Nummerierung nicht fortlaufend ist, das liegt daran, dass manche Dokumente doppelt waren, die habe ich dann weggelassen).

Gruß Rudi

Hier der nächste Teil: RK010-024
Quelle: Bundesarchiv, Bestellsignatur R 43 I/1186
Benutzeravatar
Rudi
Beiträge: 107
Registriert: 24.05.2018, 06:54

08.06.2018, 13:29

Teil 4 - Rei Sandberg und andere

Sicher haben es alle gemerkt, gleich auf der ersten Seite finden sich ein Brief an einen "Direktor Sandberg". Da fällt einem natürlich gleich der BIOS-Bericht zu ein. Kann es sein, dass die beiden identisch sind ?
Wenn ich schon so frage, ist die Antwort natürlich klar. Ja, er ist es. Richtig deutlich wird das allerdings erst in einem weiteren Bericht, der hier noch nicht zitiert wurde, kommt aber noch. Ich werde jetzt erstmal ein paar biografische Daten über Rei Sandberg präsentieren.

Der Name lautet vollständig "Henrik Andreas Reinert (Rei) Sandberg", geboren am 25 Aug. 1889, gestorben wahrscheinlich 1969.
Er war verheiratet mit Dannis Sandberg (eine Dänin), die im zweiten Weltkrieg und danach als Übersetzerin speziell von Büchern in Norwegischer Sprache in die deutsche Sprache gearbeitet hat (Google ergibt etliche Links). Weiterhin war Dannis Sandberg in jungen Jahren die Sekretärin von Walter Rathenau in Deutschland (Walter Rathenau war übrigends zeitweise der Vorsitzende des Aufsichtsrates der AEG). Sie schrieb aber auch eigene Bücher, so. z.B. Krimis ("Mord und Mimosen in Portofino").

Rei Sandberg wuchs offensichtlich in guten Verhältnissen auf. Immerhin wurde sein Vater sogar von Munch gemalt, ein Link findet sich hier.

Unter http://runeberg.org/merkbio/0756.html unter Sandberg, Chr. Strom, findet man dann auch seinen Sohne H.A.Reinert Sandberg erwähnt.

Ich bin nicht ganz schlau daraus geworden, von was Rei Sandberg eigentlich Direktor war, anscheinend aber von einer Gesellschaft, die als Investor auftritt. In dieser Funktion war er anscheinend in Deutschland unterwegs. Bedingt durch den zweiten Weltkriege wurde diese Tätigkeit wohl unterbrochen und er wurde zum Militär eingezogen (oder hat sich gemeldet). Im Wiki findet sich auch ein Artikel über ein von ihm geleitetes Gefangenenlager (hier).

Die Informationen über seine Ehe habe ich übrigends von einem Norweger erhalten, der Rei Sandberg noch persönlich kannte, Der Rest ist ja öffentlich zugänglich.

Wenn man sich im Internet weiter auf die Suche macht, findet man auch noch einen Flieger Rei Sandberg, ich glaube aber nicht, dass es sich dabei um unseren Sandberg handelt, da das nicht ganz kompatibel mit den anderen biografischen Daten ist.

Weitere auftretende Personen sind:
Patentanwalt Bromborn, der offensichtlich auch ein Gutachten zum Stromerzeuger erstellt hat, Autor des Buches "Das neue Patent- und Gebrauchsmusterrecht (1937)".
Professor Bragstad:
Ole Sievert Bragstad (04.10.1868-10.04.1927), Studium der Elektrotechnik in Dresden, Karlsruhe, danach Dozent in Karlsruhe, arbeitete ein Jahr bei Westinghouse in Amerika und wurde 1909 als Professor an die technische Hochschule Norwegen berufen,Befand sich aber zur Zeit, als er den Stromerzeuger untersuchte, in Berlin.
Jorst, Newton und Smith sind mir nicht bekannt, aber zu Professor Kloss habe ich ja bereits geschrieben. Interesssanterweise kannte Kloss den Apparat von Coler offensichtlich schon.

Bald gehts mit dem Bericht weiter.

Gruß Rudi.

p.s. mittlerweile dürfte klar sein, dass nicht Coler den Stromerzeuger "erfunden" hat, sondern Willi von Unruh. Noch ein Vorurteil, was widerlegt sein sollte.
Zuletzt geändert von Rudi am 31.07.2018, 12:11, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Rudi
Beiträge: 107
Registriert: 24.05.2018, 06:54

08.06.2018, 13:30

Eine gute Neuigkeit habe ich noch. Ich habe vom britischen Geheimdienst die Erlaubnis bekommen, bis zu 20 Seiten des zweiten Coler-Berichts (natürlich unter Auflagen) zu veröffentlichen. Ihr könnt Euch sicher sein, daß ich die richtigen Seiten veröffentliche (na ja, ich gebe ja zu, daß das nicht der Geheimdienst war, klingt aber co(o)ler) :mrgreen: ).

Gruß Rudi
Benutzeravatar
Rudi
Beiträge: 107
Registriert: 24.05.2018, 06:54

08.06.2018, 13:31

So, hier gibt es mal wieder den nächsten kleinen Teil. Diesmal geht es um etwas, was uns allen lieb ist: um Geld, und zwar um viel Geld. :lol:

Gruß Rudi

nächster Teil: RK025-030
Quelle: Bundesarchiv, Bestellsignatur R 43 I/1186
Benutzeravatar
Rudi
Beiträge: 107
Registriert: 24.05.2018, 06:54

08.06.2018, 13:32

Die Prominenz der Namen im letzten Teil ist schon beeindruckend. Da hat sich jetzt ein Konsortium unter dem Namen "Energie-Syndikat" unter der Führung von Friedrich Minoux und von Joachim von Bethmann-Hollweg gebildet. Wenn ich die Summen im Vorvertrag mal richtig auf die heutige Kaufkraft in Brotäquivalent umrechne, komme ich auf eine Gesamtsumme von etwa 100 Millionen Euro, um die es da geht. Dafür kann man sich schon mal anstrengen.
Der Vertrag soll in Kraft treten, wenn erstmals mehr als die 3-Fache an Leistung erbracht wird. Dann werden fünf Millionen RM fällig, und erst dann soll die Nachprüfung durch Gutachter zugelassen werden.

Zu den Personen:
Friedrich Minoux:
War seit 1912 Verwaltungsrat im Stinnes-Konzern und ab 1919 Vorstandsmitglied der Berliner Kohlenhändler AG. !923 ist er bei Stinnes ausgestiegen und war Mitbegründer der BEWAG (Berliner Städtischen Elektrizitätswerke AG). 1941 wurde er verurteilt, weil er die BEWAG und die GASAG durch Scheingeschäfte um insgesamt 8 Million Reichsmark betrogen hatte. Seine Villa wurde beschlagnahmt und 1942 wurde dort die Wannsee-Konferenz abgehalten.

Joachim von Bethmann-Hollweg:
Das war anscheinend der Sohn vom Reichskanzler Theodor von Bethmann-Hollweg (Reichskanzler von 1909 bis 1917)

Der nächste Teil, den ich hier veröffentliche, wird ein wenig umfangreicher. Das liegt daran, dass es jetzt endlosen Zank darüber gibt, wie was wann und durch wen geprüft werden soll und wie genau die Aufgabenstellung der Gutachter sein soll. Das ist insofern interessant, weil man da mitbekommt, wie die Interessen der beiden Gruppen aufeinanderprallen.
Ansonsten gibt es noch einen Gastauftriff von Max Planck (als "Geheimrat Planck", nicht zu verwechseln mit dem "Rittmeister Planck", das ist ein anderer) und ein Gutachten eines Dr. Meissner, was in Berlin offensichtlich im Auftrag von Rei Sandberg erstellt wurde. Das Gutachten bringt aber keine neuen Hinweise mehr. Es ähnelt den bekannten Gutachten des BIOS-Berichts.

RK031-074
Quelle: Bundesarchiv, Bestellsignatur R 43 I/1186
Benutzeravatar
Rudi
Beiträge: 107
Registriert: 24.05.2018, 06:54

08.06.2018, 13:33

Nach diesem ganzen Gerangel haben sich die Herren dann doch endlich entschließem können, ein Gutachten anzufertigen. Dieses Gutachten, was sich ein wenig von den anderen unterscheidet, findet sich dann komplett im nächsten Teil.  ;)
RK075-093
Quelle: Bundesarchiv, Bestellsignatur R 43 I/1186
Benutzeravatar
Rudi
Beiträge: 107
Registriert: 24.05.2018, 06:54

08.06.2018, 13:34

Nachdem jetzt das erste Mal der Begriff "Schwindel" im Zusammenhang mit dem Stromerzeuger aufgetaucht ist, kann ich jetzt noch einmal auf die Quelle dieser Aktensammlung hinweisen:

Unter www.bundesarchiv.de/index.html.de links oben unter "Recherche im Archivgut" "ARGUS" auswählen, dann auf den kleinen Button rechts daneben klicken und man landet in der Suchmaske
"Suche über die Beständeübersicht und die Online-Findbücher des Bundesarchivs".

Dort dann im Suchfeld "Coler Unruh" eingeben und rechts davon "alle Begriffe" wählen. Dann nur noch auf "Suche" klicken und man wird zum Ergebnis geleitet, was man dann entweder im Original im Bundesarchiv ansehen kann, oder über den Kopierdienst direkt bestellen kann (gegen eine kleine Gebühr).

So einfach kann das manchmal sein..

Gruß Rudi

p.s. nicht, dass die Geschichte damit zu Ende wäre...
Benutzeravatar
Rudi
Beiträge: 107
Registriert: 24.05.2018, 06:54

08.06.2018, 13:36

Ich will ein kleines wenig vorgreifen und mal kurz erklären, warum ich an dieser Stelle nicht zu 100% überzeugt war, dass es sich um Schwindel handelt. Das liegt an Professor Kloss. Dieses Gutachten hier ist ja am 28.Juli 1925 erstellt worden. Ursprünglich wollte das ja Professor Kloss machen, aber er war ja verhindert.
Er hat aber danach - und zwar am 4. März 1926 - ja ein eigenes Gutachten erstellt, was als Anlage im BIOS-Bericht beigefügt ist. Diesen Umstand finde ich etwas merkwürdig. Ich bin mir sicher, dass Professor Kloss das Gutachten von Grüneisen kannte und sehr genau wusste, wo Grüneisen und Schering die Probleme vermuten. Er schreibt aber in seinem Gutachten deutlich:

"We have also absolutely made sure that from the batteries no other conductors led to the apparatus than those into which my instrument was build-in."

Was er aber auch beschreibt, ist, dass er nicht in den Apparat eingreifen konnte und auch dass die Zeit nicht reichte, um den Apparat im Detail zu untersuchen. Ich weiß nicht, was das bedeuten soll. Ich an Stelle von Herrn Kloss hätte darauf bestanden, mindestens die gleichen Messungen zu wiederholen und noch mehr - die Nebenweg zu suchen oder gleich darauf zu bestehen, dass die Herren Grüneisen und Schering teilnehmen.
Das alles hat er nicht gemacht, und das verstehe ich nicht. Und ich verstehe auch nicht, warum er darauf besteht, dass sein Gutachten auf keinem Fall ohne seine Erlaubnis und erst recht nicht an die Presse weitergegeben werden darf. Aber dieses Gutachten steht weiterhin im Raum, und deshalb habe ich mich weiter auf die Suche gemacht.

Zunächst aber mal weiter mit den Akten der Reichskanzlei. Im letzten Teil hat dann die Fa. "Vattenfall" einen Gastauftritt. Ansonsten geht es im Rest der Akte eigentlich nur noch um gegenseitige Schuldzuweisung. Ist somit nicht mehr so richtig spannend. Dieser Aktenstapel ist damit erstmal abgeschlossen -schade.

RK094-134
Quelle: Bundesarchiv, Bestellsignatur R 43 I/1186

Aber Fortsetzung folgt, im nächsten Teil geht es dann mal um die Familie Unruh..

Gruß Rudi
Benutzeravatar
Rudi
Beiträge: 107
Registriert: 24.05.2018, 06:54

08.06.2018, 13:40

Ich werde jetzt mal einen kleinen Exkurs zu der Person Willi von Unruh machen (der Bruder Hans von Unruh kommt etwas später), damit man sich mal etwas mehr mit dem eigentlichen Erfinder des Stromerzeugers vertraut machen kann.

Willi von Unruh

Im letzten Teil des Berichts der Reichskanzlei tauchte ganz am Anfang bereits der Name Willi von Unruh auf. Offensichtlich war dieser die Hauptperson bei der Entwicklung des Stromerzeugers, da der Anwalt bereits 1925 schrieb, dass dieser den Stromerzeuger erstmalig 1912 in Funktion gebracht hat. Bevor ich diesen Bericht kannte, hatte ich den Eindruck, dass er eher ein Gehilfe von Hans Coler war (so wird das im BIOS-Bericht beschrieben), aber offensichtlich war es eher so, dass Hans Coler der Gehilfe von Willi von Unruh war. Da hat Hans Coler anscheinend etwas geflunkert im BIOS-Report.
Zur Person Willi von Unruh ein paar Details, die ich herausbekommen habe. Da ist zuerst mal wieder das Adressverzeichnis von Berlin. Daraus ergibt sich:

1914-1916: Will Unruh, Haupst. 11, III,Schöneberg
1917 gibt es einen Interessanten Eintrag: Willi Unruh, Augustastr. 7, Wilmersdorf und J.Fichtner&Unruh, Maschinen- und Apparatebau
1918-1920: Willi Unruh, Augustastr. 7, Wilmersdorf
1922-1927: Willi von Unruh, Chefingenieur, Brandenburgische Str. 18, Wilmersdorf.
1928 gab es einen Firmeneintrag Unruh und Reiche, technische + elektrische Meßgeräte
1931-1932 taucht er dann wieder als Chefingenieur von Unruh in der Brahestr. 11a, Charlottenburg, auf
1934 gibt es noch einen letzten Eintrag von ihm als Chefingenieur von Unruh, Kurfürstendamm 63

Weiterhin gibt es noch folgende Daten zu Willi von Unruh:

1. Ein Auszug aus dem Kirchenregister aus Wismar, dass einen Willi Unruh, geboren am 29. 04.1890 ausweist
2. Ein Auszug aus der Volkszählung vom 01.Dezember 1890, das ebenfalls einen Willi Unruh, geboren am 29.04.1890 ausweist .
3. Ein Auszug aus der Volkszählung vom 01.Dezember 1900. Dort ist die gesamte Familie Unruh in Wismar aufgeführt (hier mal als Kopie)
VolkszhlungWismar.jpg
VolkszhlungWismar.jpg (57.97 KiB) 1280 mal betrachtet



4. Einen Auszug aus der sogenannten Scheinadelsliste. nach dieser Liste hat also ein Willi Unruh zu Unrecht den Titel "von" angenommen. Sogar hier ist schon die Rede davon, dass er im Jahre 1907 eine "Erfindung" gemacht hat (vielleicht der Stromerzeuger?), also im Alter von 17 Jahren.
Scheinadelliste.jpg
Scheinadelliste.jpg (27.96 KiB) 1280 mal betrachtet
 Merkwürdigerweise wird in den zuvor veröffentlicheten Akten auf den Bruder Hans Unruh verwiesen, den es aber lt. Kirchenbuchregister und auch der Volkszählung aber nicht geben sollte. Das ist ein Umstand, den ich mir bis heute nicht erklären kann.
Beleuchten wir noch einmal die Ereignisse, die dazu führten, dass Willi von Unruh im Jahre 1920 eigentlich ins Gefängnis gekommen ist. Hierzu gibt es folgenden Zeitungsausschnitt vom 27. Dezember 1920:

Unruh1.PDF
(120.85 KiB) 18-mal heruntergeladen
Quelle: New York Times

Demnach ist er also Ende 1920 wegen Betrug verhaftet worden (ohne dass ich weiß, wie lange er in Haft war). Im Herbst 1922 ist er laut den Akten der Reichskanzlei erneut wegen der gleichen Delikte verhaftet worden und offensichtlich erst im Juli 1926 wieder entlassen worden. Unabhängig davon ist es aber schon so, dass Willi von Unruh (ich bleibe mal beim "von", das ist irgendwie co(o)ler) etwas von Elektrotechnik verstand. Darauf weisen die Einträge im Adressbuch und auch seine Patente hin, die sich hier in französischer und dänischer Sprache finden lassen:

Patente Willi von Unruh
(Oben links auf der Seite kann man die Patente auswählen und dann herunterladen)

In beiden Patenten geht es um das gleiche, nämlich um eine Methode der Stahlbehandlung, damit es ähnlich gute elektrische Eigenschaften wie Kupfer bekommt. Kupfer war zu der Zeit extrem teuer. Wenn es möglich ist, das teilweise durch Stahl zu ersetzen, ist das sicher eine gute Sache. Aber ich weiß ehrlich nicht, ob dieses Patent jemals erteilt wurde. Aber egal, ich wollte nur mal dokumentieren, dass er "vom Fach" war, was man von Hans Coler nicht so richtig behaupten kann. Mit elektrischem Strom hatte er wahrscheinlich nicht viel zu tun.

Fortsetzung folgt, diesmal mit Hans von Unruh

Gruß Rudi
Benutzeravatar
Rudi
Beiträge: 107
Registriert: 24.05.2018, 06:54

08.06.2018, 13:44

So, jetzt geht es mal mit dem Bruder weiter. Zu dem Bruder findet sich nur eine kurze Bemerkung in den Akten der Reichskanzlei (Seite 005) mit dem Text:

"Während der Untersuchungshaft des Unruh baute sein Bruder Hans in seinem Auftrage einen Apparat, um damit den Nachweis zu führen, dass der Apparat seines Bruders kein Schwindel sei und seinem Bruder damit im Strafprozess zu helfen".

Das muss also irgendwann zwischen 1922 und Mai 1925 geschehen sein, wahrscheinlich etwas vorher. Danach taucht der Name im Zusammenhang mit dem Stromerzeuger in den Akten nicht mehr auf. Als wenn Hans Unruh sich in Luft aufgelöst hätte. Das war aber nicht so, er hat nur sein Arbeitsgebiet verlagert.

Zu dem Bruder Hans von Unruh gibt es eine umfangreiche Akte im Bayrischen Hauptstaatsarchiv MJU13261, Prozessakte 1925/26. Die Akte liegt mir vor, Ich bin nur nicht sonderlich glücklich mit den Bedingungen, unter denen ich diese Veröffentlichen darf (im Prinzip ist das aber erlaubt), deshalb werde ich hier nur die wesentlichen Punkte dieser Akte beschreiben, ohne zu veröffentlichen. Und letzlich geht es dabei (fast) nicht um den Stromerzeuger, sondern um etwas anderes. Die Akte selbst umfasst ca. 100 Seiten und liest sich ähnlich wie die Akte der Reichskanzlei.
Wer interesse hat, kann sich ein Original dort bestellen, das ist gar nicht so teuer. Man kann die Akten auch einfach einsehen, das ist dann - soweit ich weiß - kostenlos.

Den ersten Satz aus der Akte muss ich jedoch gleich mal direkt zitieren:

"Der Kaufmann Hans Unruh in Berlin behauptet, ein Verfahren entdeckt zu haben, durch welches man durch Kali-Salze Gold herstellen kann. Da die ersten Versuche von 2 Berliner Professoren günstig beurteilt wurden, wusste er auch in Bayern hochstehende Persönlichkeiten (...) für die Erfindung zu interessieren..." :o

Eine kurze Zusammenfassung der Geschehnisse um Hans Unruh hält Google für uns bereits, der Link findet sich hier:
Franz Tausend
(Seiten 90-94)
Da wird das wesentliche aus der Akte gut beschrieben (kein Wunder, die Akte wird ja als Quelle zitiert). Falls der Link irgendwann nicht mehr verfügbar ist, beschreibe ich mal kurz hier den Inhalt:
  1. Hans Unruh wurde am 12.04.1890 in Strahlsund geboren
  2. Er hat vorgegeben Gold aus Salz und Strom herstellen zu können
  3. Deshalb wurde er im Mai 1926 wegen Betruges verhaftet.
  4. Er sagt aus, dass er im Krieg Flugzeugführer war und abgeschossen wurde
  5. Er hat einen Zwillingsbruder Will
  6. Nach der Festnahme von Willi Unruh befasste er sich mit der weiteren Konstruktion des Stromerzeugers. Hierfür hat er 200000MK erhalten.
  7. Im Herbst 1924 will er erstmalig auf die Idee gekommen zu sein, Gold herzustellen
  8. In der Folge hat er insgesamt mit Vorführungen des "Goldmachens" 7 Personen um Geld betrogen
  9. Im April 1925 konnte er Friedrich Minoux vom "Goldmachen" überzeugen und erhielt von ihm 50.000MK
  10. Er behauptete, dass der Stromerzeuger seine Erfindung war und die Reichsleitung dafür 50 Millionen bewilligt hatte
  11. In der U-Haft sollte er unter kontrollierten Bedingungen seine Kunst vorführen, jedoch musste er zuvor alle Kleidung wechseln.
  12. In seiner Jacke eingenäht fanden sich Goldkörner, Goldherstellung gelang ihm offensichtlich unter diesen Bedingungen nicht
  13. In der weiteren U-Haft war Unruh dann geständig. Er wurde am 20.Juli 1926 zu wegen Betrug zu 4 Jahren und 8 Monate Gefängnis verurteilt.

Sein Geburtsort und das Datum zeigen, dass er nicht der Bruder von Willi Unruh (und dann auch nicht Zwillingsbruder) sein kann. Warum er es trotzdem behauptet, ist mir ein Rätsel . Meine obligatrorische Suche in den Adressbeständen von Berlin ergab ja auch keinen Hinweis auf einen Hans Unruh. Er bleibt mysteriös. So mysteriös, dass ich schon überlegt habe, ob Hans Unruh und Willi Unruh nicht möglichwerweise die gleichen Personen sind. Das musste ich aber verwerfen, weil im Mai 1925 beide gleichzeitig im Gefängnis gesessen haben. Eine andere Überlegung war, ob es möglich ist, dass Hans Unruh eine "Kunstperson", bestehend aus "Hans" Coler und Willi "Unruh" war, aber auch dass musste ich verwerfen, da Hans Coler im Mai 1925 ganz schön aktiv war. Also, ich kann das nicht klären.
Möglicherweise gibt es hier aber eine Erklärung, woher die drei (2xHans und 1xWilli) sich eigentlich kannten. Hans Unruh soll ja Flugzeugführer gewesen sein und Hans Coler hat Flugzeuge konstruiert. Könnte schon sein, dass hier die Verbindung vorliegt.

Was jetzt nicht so richtig in der Beschreibung herauskommt, ist, wie eigentlich genau die Anklage lautet, deshalb hier die Anklageschrift als Zitat:

"Die Beschuldigten sind hinreichend verdächtig:

1.) Unruh in 7 selbstständigen Fällen
2.) Krusenbaum in zwei selbsständigen Fällen

in der Absicht, sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines Andren durch Vorspiegelung falscher und unterdrückung wahrer Tatsachen und dadurch bewirkte Irrtumserregung beschädigt zu haben"


Man kann hier erkennen, unter welchen Bedingungen eine solche Anklage zum Erfolg führen kann, und wann vermutlich nicht. Deshalb jetzt mal meine Interpretation, warum z.B. Hans Coler nie verhaftet wurde (aber das ist alles nur eine Möglichkeit und muss keinesfalls der Wahrheit entsprechen):

In dieser Anklageschrift wird explizit erwähnt, dass eine "vorspiegelung falscher Tatsachen und unterdrückung wahrer Tatsachen" vorliegt. Das ist in diesem Fall einfach, weil Hans Unruh ja geständig war. Wenn er nicht geständig gewesen wäre, hätte man ihm nachweisen müssen, dass er in Täuschungsabsicht handelt. Die Probleme, die zu den Verhaftungen von Willi und Hans Unruhe geführt haben waren somit:

1) Sie haben irgend jemandem Geld abgenommen und das für nicht vereinbarte Zwecke ausgegeben
2) Sie haben absichtlich vorgetäuscht, daß ihre Geräte funktionieren.

Wenn diese beiden Punkte also umgangen werden könnten, kann man sich vor einer Anklage möglicherweise entziehen. Es ist deshalb vielleicht kein Zufall, dass Hans Coler immer wieder darauf hinweist, dass er nicht erklären kann, wie der Apparat funktioniert (dadurch könnte die Täuschung entfallen). Gut machen sich dann natürlich auch Gutachten von Professoren (wenn die schon sagen, dass es eine Stromvermehrung gibt, wer bin ich denn, dass ich dem widersprechen soll ?)
Und wenn das Geld immer nur so verwendet wird, wie es vereinbart wurde, also auch für den Lebensunterhalt vereinbart wurde, damit man am Stromerzeuger weiterarbeiten kann, ist dies kein Betrug, wenn sich heraustellt, dass der Stromerzeuger nach jahrelanger Arbeit nicht funktionieren sollte.

Ich werde dann noch einmal ein paar Passagen verfollständigen, die in dem Buch nur wenig angesprochen wurden. Da ist zunächst mal die Liste der Geschädigten. Dabei handelt es sich im wesentlichen um:
Friederich Minoux (den kennen wir doch schon), gab ein Darlehen über 50000 MK am 04.04.1925 sowie einige Personen der "Nitor-Studiengesellschaft", die eigens zu dem Zweck gegründet wurde, das "Goldmachen" wirtschaftlich auszubeuten. Von dieser Gesellschaft erhielt Hans Unruh 27.000 MK. Weiterhin gab es noch eine ganze Reihe kleinerer Summen, die ihm zugekommen sind.

Ich bin mir nicht sicher, ob die Liste komplett war, da es sich bei den Geschädigten auch um Personen aus der Politik handeln soll. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, daß diese dann keine Anzeige erstattet haben, um nicht ins Gerede zu kommen.
Pratkisch alle wurden dadurch geschädigt, dass Sie Hans Unruh geld gegeben haben, um Teilhaber entweder der Firma zu werden, die die "Goldgewinnung" kommerziell betreibt, oder, um Teilhaber einer Firma für Künstdünger zu werden, die Hans Unruh mit den Erträgen der Goldgewinnung gründen wollte.

Weiterhin gibt es es noch folgendes Zitat, was aber im Prozess keine Rolle spielte, da es dort ums "Goldmachen" ging:

"Sein Zwillingsbruder Willi wollte eine Maschine zur Erzeugung elektrischen Stromes auf neue Art erfunden haben und wurde aus diesem Anlass in eine Strafverfahren wegen Betrugs verwickelt und auch verurteilt.Nach der Festnahme des Willi Unruh befasste sich Hans Unruh mit der weiteren Konstruktion dieser Elektrizitätsmaschine. Seinen Lebensunterhalt bestritt er aus einer Summe von 200.000MK, die ihm durch Vermittlung Krusenbaums der Kaufmann Max Gröning,in Rücksicht auf diesen Stromerzugungsappart zur Verfügung gestellt hatte."

Leider taucht in dieser Aktensammlung auch Hans Coler kurz auf. Hierzu das Zitat aus den Vernehmungsprotokollen:

"Unruh kehrte nach München zurück und operierte bei den weiteren Verhandlungen am 7.7.1925 mit dem in Abschrift bei Blatt 409 befindlichen Telegramms Cohlers, wonach die Reichsleitung auf den Stromerzeugungsapparat 50 Millionen Mark bewilligt habe. Auch dieses Telegramm war offensichtlich bestellte Fälschung". :thumbdown:

Am 7.7.1925 also. Da gab es natürlich noch überhaupt kein Abkommen, sondern nur den Vertragsentwurf von Friedrich Minoux.

Sehen wir uns die Zeitleiste hierzu mal an:

02.04.1925: Minoux kommt mit Hans Unruh wg. "Goldmachen" zusammen (Willi Unruh war zu der Zeit noch im Gefängnis)
04.04.1925: Hans Unruh erhält 50000MK von Minoux
25.05.1925: Anschreiben von Notar Beyer wg. Stromerzeuger an Reichskanzlei.
30.06.1925: Minoux erstellt den Vertragsentwurf zum Stromerzeuger
01.07.1925: Hans Unruh erhält 3000MK von Minoux
07.07.1925: (oder vorher) Hans Coler schickt an Hans Unruh ein Telegramm, in dem er ihn mitteilet, dass 50 Millionen bewilligt wurden.
11.07.1925: Das "Goldmachen wird durch Professor Güttler im Auftrag der Nitor-Studiengesellschaft nachgeprüft (das Ergebnis fiel positiv aus, jedoch bemerkte Professor Güttler, das er noch eine abschließende Untersuchung machen müsste, zu der des dann aber nicht mehr kam).
27.07.1925: Hans Unruh führt in Stuttgart "Goldmachen" vor
17.08.1925: Beginn des Gutachtens der TU Berlin zum Stromerzeuger (Grüneisen und Schering)
14.09.1925: Erste Prüfung von Niggel und Landgraf (zwei Mitglieder der Studiengesellschaft und offensichtlich Professoren). Diese Prüfung fällt positiv aus, ist aber nicht vollständig.
11.10.1925: Nachprüfung des Goldmachens durch Niggel und Landgraf (diese Nachprüfung fällt dann negativ aus)
27.10.1925: Verhaftung Hans Unruh
11.11.1925: Untersuchung des "Goldmachens" in der TU Berlin, endete mit dem Betrugsvorwurf
22.01.1926: Beschwerde von Minoux, dass das Gutachten über den Stromerzeuger aus der Hand gegeben wurde (noch in der Akte der Reichskanzlei)
03.03.1926: Gutachen Kloss/Franke (aus BIOS-Bericht)
20.03.1926: Gutachten Schumann (aus BIOS-Bericht)
05.1926: Anklageeröffnung gegen Hans Unruh / Verurteilung
06.1026: Entlassung Willi Unruh
1929: Entlassung Hans Unruh

Ich find das ganz schön heftig. Ich glaube, ich würde keinem von den Herren mein Geld anvertrauen. Vor allem auch noch vor dem Hintergrund, dass Minoux selbst später wg. Betrug verurteilt wurde. Auch Hans Coler kommt dabei nicht gut weg. Ist doch zumindest klar, dass er mit Hans Unruh mit dem Telegramm gemeinsame Sache gemacht hat.

Fortsetzung folgt..
Zuletzt geändert von Rudi am 09.06.2018, 12:38, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Rudi
Beiträge: 107
Registriert: 24.05.2018, 06:54

08.06.2018, 15:13

Bevor es weitergeht, Zunächst aber noch einmal ein kurzer Vergleich, über welche Summen wir eigentlich beim "Goldmachen" und auch beim "Stromerzeuger" reden.
Das Durchschnittsentgelt 1925 betrug pro Jahr etwa 1500MK (https://de.wikipedia.org/wiki/Durchschnittsentgelt), also etwa 120MK im Monat. Man kann bei den oben genannten Summen deshalb, um mal bei heutiger Kaufkraft zu sein, locker einen Faktor 10 einrechnen. Damit sind da insgesamt Millionen Euro geflossen. :lol:

Weiter im Thema...

Bis etwas Mitte 1926 haben wir die Geschichte jetzt schon ganz gut aufgerollt. Danach gibt es dann ein paar Lücken, die ich nur unvollständig schließen kann. Dies bezieht sich unter anderem auf die Zeit von 1926 bis etwa 1933.
Im Vorgriff auf den zweiten BIOS-Report wurde Hans Coler in dieser Zeit von Rei Sandberg finanziell unterstützt. 1933 trat dann Dr. Fritz Modersohn auf den Plan. Ich will das nur kurz rekapitulieren, da es ja im BIOS-Bericht beschrieben ist. 1933 bauten Coler und Unruh eine 70-Watt Version des Stromerzeugers, den sie Dr. Fritz Modersohn zeigten. Dieser holte sich Informationen bei den Gutachtern ein und gewährte ihm schließlich (ebenso) finanzielle Unterstützung. Es wurde dann auch die Coler GmbH gegründet, Ich bin mir aber nicht sicher, wann das genau war. Zumindest 1939 bestand diese, wie man am Adresseintrag hier in diesem Post https://www.power2world.net/viewtopic.php?p=308#p308 sehen kann. 1933 war Willi Unruh auch wieder aus dem Gefängnis entlassen. Er hielt sich dann aber sehr zurück. Einzig bei der Konstruktion des "Magnetstromapparates" 1933 war er offensichlich beteiligt.
Übrigends finde ich, dass es eine Ähnlichkeit zwischen dem "Magnetstromapparat" und dem Stromerzeuger aus der Abbildung RK079 gibt. Kommt mir so vor, als wenn beim Magnetstromappart nur die Platten und Spulen weggelassen wurden und die Magnete zu einem Kreis gezogen wurden. Warum dieses Gerät entstanden ist, weiß ich nicht. Was ich vermute ist:
Nachdem immer wieder Zweifel aufkommen können bei einem Gerät, was extern mit Strom versorgt wird, hat möglicherweise jemand gefordert, dass es eine Variante geben muss, die ohne so etwas auskommt. Da der "Magnetstromapparat" in der norwegischen Botschaft aufbewahrt wurde, gehe ich davon aus, dass der Auftraggeber ebenfalls Rei Sandberg war.

Einschub: Was ich vom Magnetstromapparat halte
Hier (http://www.dxradio-ffm.de/heiligenstock.htm) wird ausgeführt, dass es früher möglich war, Lampen in der Nähe von Radiosendemasten zum leuchten zu bringen. Um Elektrosmog hat sich da offensichtlich niemand gekümmert.
Sogar Herr Turtur spricht davon, dass der Magnetstromappart wohl nur ein Radioempfänger war (ich finde jetzt die Quelle allerdings nicht), und dem schließe ich mich an. Dem Magnetstromappart ist niemals Energie entnommen worden, sondern immer nur Spannung. Wenn die Verluste klein genug sind, kann man die sehr lange aufrecht erhalten.

Ansonsten sind dem BIOS-Bericht nur noch ein paar Dinge hinzuzufügen:

Was ich lustig finde, ist der Satz "At the same time a Norwegian group been giving financial support to Coler, and these two groups clashed". Ist schon klar, wer mit "Norwegian group" gemeint ist, nämlich Sandberg selbst.

Erstaunlich ist natürlich die Leistung des Stromerzeugers, der 1937 gelaufen ist (sein soll ?). Etwa 6KW sollen da raus gekommen sein. Eigentlich schon schwer zu glauben, dass man so etwas durch Betrug erreichen kann.

Was manchmal etwas falsch widergegeben wird, ist dass dieser Stromerzeuger dann beim OKM durch Heinz Fröhlich untersucht wurde. Das ist so nicht richtig. Untersucht wurde nicht die 6KW-Variante, sondern ein weiterer Apparat, der nicht funktioniert hat. Über den Heinz Fröhlich gibt es übrigends eine ganze Reihe Unterlagen.
Ich füge die mal hier als Link ein:

Ein Bild aus dem BMW-Archiv. Offensichtlich hat er dort als Rakekteningenieur gearbeitet.
https://www.bmw-konzernarchiv.de/research/detail/index.xhtml?id=612815
(kann sein, dass man eine Ausnahme für das Sicherheitszertifikat hinzufügen muss)


Eine Medaille, die er 1953 verliehen bekommen hat (Stalin Preis), noch in der UDSSR
http://www.hermann-historica.de/auktion/hhm51.pl?f=NR&c=51695&t=temartic_p_D&db=kat51_p.txt (link nicht mehr vorhanden)


Ein Bericht über aus der SowjetUnion zurückgekehrte Wissenschaftler aus dem Jahre 1954, in dem auch als Fußnote auf einen Bericht über eine Befragung von ihm nach der Rückkehr verwiesen wird (natürlich von den Briten).
frhlich.pdf
(500.17 KiB) 13-mal heruntergeladen
Quelle:http://cwihp.si.edu/publications.htm (link ist nicht mehr vorhanden)
Ich habe mir die ersten 10 Seiten dieses Berichts kommen lassen, aber da geht es wirklich nur um seine Zeit in der UDSSR, und nicht um Hans Coler.

Diverse Patente vor allem zum MHG
www.dpma.de/docs/service/nobel_doc/physik/us000002950389a.pdf (link nicht mehr vorhanden)
http://www.google.com/patents/US3339092
oder allgemein hier https://depatisnet.dpma.de/DepatisNet/d ... einsteiger unter Name dann nach Heinz Fröhlich suchen. Da findet sich eine Reihe von Treffern.

Er hat also nach dem Krieg in der UDSSR gearbeitet, ist 1954 zurückgekehrt und hat dann bei Siemens-Schuckert gearbeitet (die gleiche Firma, die im BIOS-Report erwähnt wird, unter Franz Haid).

1937 war dann auch das Jahr des Patentes von Hans Coler, was nun aber wirklich nichts mit dem Stromerzeuger zu tun hatte. Das kann man möglicherweise jemandem erzählen, der nichts von Strom verstand. Apropos, ich glaube ich habe noch nichts zu Fritz Modersohn gesagt. Dann mal ein paar biografische Daten:

Ursprünglich hat er in Essen gewohnt und gearbeitet, dort auch promoviert und ist dann etwa 1933 nach Berlin gezogen. Er hat einige Patente erteilt bekommen, die aber allesamt mit "Ölmaschinen" zu tun hatten, also nicht mit elektrischem Strom. Eine Auswahl von Patenten findet sich in diesem Link ( https://worldwide.espacenet.com/?locale=en_EP und dann nach Fritz Modersohn suchen).
Sein Haus in Berlin steht heute unter Denkmalschutz (als "Modersohn-Haus").

Offensichtlich hat er Hans Coler davor bewahrt, an die Front geschickt zu werden. Ich würde ja zu gerne mal einen Blick in die Sammlung der Unterlagen über den Stromerzeuger von Herrn Moderson werfen, darüber habe ich leider nichts. Aber vielleicht kennt ja ein Leser die Nachkommen ? Wir wären alle dankbar...

Das ganze geht dann so weiter, dass Coler 1945 nach Kolberg (ein kleiner Ort südlich von Berlin) evakuiert wurde und dort der nicht funktionierende Stromerzeuger durch eine Bombe zerstört wurde.

Das war jetzt nur eine kleine Zusammenfassung über den bekannten BIOS-Report. Im nächsten Teil geht es dann mit dem zweiten BIOS-Bericht weiter... :problem:
Benutzeravatar
Rudi
Beiträge: 107
Registriert: 24.05.2018, 06:54

09.06.2018, 12:47

Der zweite BIOS-Report


ist eigentlich kein BIOS-Report in dem Sinne, sondern eine Aktensammlung mit den Geschehnissen in England im Anschluss an den ersten BIOS-Report. Der erste BIOS-Report endete ja mit dem Satz

"It is felt that further Investigation by an expert in electromagnetic theory is warrented, and that Colers offer to construct a model of the "Stromerzeuger" should be taken up."

Und so kam es dann auch. Der gesamte zweite Bericht umfasst 170 Seiten und kann bei der Britischen National Bibliothek bestellt werden. Hierzu folgende Seite aufrufen:

http://discovery.nationalarchives.gov.uk/SearchUI/

und dann bei "Suche" "AVIA 49/11" eingeben und man bekommt Bestelldetails des Berichts präsentiert. Ich habe mir diesen Bericht bereits vor einiger Zeit komplett bestellt und auch erhalten. Ich würde das aber nicht zur Nachamung empfehlen, denn dieser Bericht war richtig teuer. Egal, ich habe nun - hatte ich ja bereits geschrieben - die Erlaubnis, 20 Seiten aus diesem Bericht hier zu veröffentlichen, allerdings muss ich ein Wasserzeichen hinzufügen, was jetzt kein großes Problem ist.

Da ich eine Auswahl treffen muss, werde ich die Geschehnisse zwischendurch immer mal wieder beschreiben, damit man den Faden nicht verliert. Ich fange dann mal damit an, dass diese Aktensammlung zuerst durch das Luftfahrtministerium und danach vom Energieministerium weitergeführt wurde. Bei beiden Behörden war Hans Coler angestellt und hatte reguläre (befristete) Arbeitsverträge und die Ergebnisse wurden in dieser Akte hinterlegt. Die Akte selbst beginnt mit dem BIOS-Report, den wir ja schon kennen. Viele Seiten des Berichts beziehen sich auf die Verwertung der Rechte der Erfindung (wenn es denn eine gibt/gab) und sind hier eigentlich nicht so interessant, aber es tauchen ein paar alten Bekannte wieder auf, also Sandberg und Modersohn.
Und damit geht es dann auch schon los. Hier zunächst mal ein Abkommen, was zwischen Hans Coler und Rei Sandberg 1935 geschlossen wurde,

5e4907a78b472585bcf58cc6756e2eb5171cccf7.jpg
5e4907a78b472585bcf58cc6756e2eb5171cccf7.jpg (49.48 KiB) 1249 mal betrachtet
Lizenzbedingungen

0c6d5c4e72065d1b7c951b94b76e8a7449ddaa68.jpg
0c6d5c4e72065d1b7c951b94b76e8a7449ddaa68.jpg (51.65 KiB) 1249 mal betrachtet
Lizenzbedingungen

Das taucht in den Akten auf, weil er frühzeitig bei den Engländern darauf hinweisen wollte, dass ihm (zusammen mit Coler) die Rechte an der Erfindung gehören. Zu dieser Vereinbarung gibt es noch ein Gerichtsprotokoll vom März 1936, in dem Hans Coler die Wirksamkeit dieses Vertrages bestritten hat. Er argumentierte, dass dieser Vertrag nur zustande gekommen ist, weil Sandberg ihm bar gleich 2000RM geben wollte, was er jedoch nicht tat. Diesen Prozess hat Coler jedoch verloren. Mit diesem Abkommen wollte Sandberg den Briten nachweisen, dass er zur Hälfte an den Rechten beteiligt werden sollte. In einem weiteren Schreiben zählt er auf, welche Leistungen er hat Coler zukommen lassen (bzw. seine Gesellschaft), da kam schon was zusammen, Zitat:

"The norwegian concerne, which i represent, has spend 75.000 Pounds ( i can produce a statement from the bank of norway of 4.1.1935 showing that up to this moment Kr. 1117692,42 or Pounds 55.885 had been paid by one of my concerns)."

Die Briten haben dies aber zunächst ignoriert. Das ging so weit, dass sich am 30, November 1945 die norwegische Botschaft einschaltete.

71b1d1e903f9a32a68e6be483a86e348e381b42b.jpg
71b1d1e903f9a32a68e6be483a86e348e381b42b.jpg (33.93 KiB) 1249 mal betrachtet
Lizenzbedingungen

Zu dieser Zeit hatte Hans Coler längst einen Vertrag, der vorsah, dass der Magnetstromapparat gebaut werden sollte. Hans Coler war übrigends nicht "interveniert", sondern hatte den Status eines "Gastarbeiters" mit Aufenthaltsgenehmigung.

Nachdem dies tatsächlich erneut gelang (die Rede ist aber nur von ein paar Millivolt), wurde ihm ein weiterer Vertrag angeboten, diesmal mit dem Inhalt, einen Stromerzeuger zu bauen. Dieser Vertrag hatte eine Laufzeit bis etwa Mitte April 1947 und wurde zeitlich ebenfalls durch die Schätzung von Hans Coler befristet. Er hatte ja im BIOS-Bericht zuerst behauptet, den Stromerzeuger innerhalb eines Monats bauen zu können.

Fortsetzung folgt...
Benutzeravatar
Rudi
Beiträge: 107
Registriert: 24.05.2018, 06:54

09.06.2018, 14:39

Weiter gehts mit Hans Coler

Nachdem dieser Monat überschritten war, konnte Hans Coler jedoch keinen funktionsfähigen Stromerzeuger vorzeigen. Aus diesem Grund gab es Überlegungen, ihn wieder nach Deutschland zurück zu schicken. Sandberg ist darüber offensichtlich informiert gewesen (möglicherweise stand er im Briefkontakt mit Coler), so dass die Norwegische Botschaft wieder aktiv wurde und den Vorschlag machte, dass Coler seine Arbeiten in Norwegen fortsetzen sollte. Das britische Energieministerium hatte jedoch auch Interesse angemeldet, und so wurde Coler ein weiterer Vertrag mit einer Laufzeit von nochmals 3 Monaten angeboten, diesmal jedoch vom Energieministerium.

Nachdem auch nach 3 Monaten noch kein Resultat vorlag, wurde sein Vertrag erneut weitere 6 Monate verlängert, also mittlerweile bis etwa Januar 1948. Sandberg fragt immer wieder bei Coler nach, ob es etwas neues gibt, aber es passiert eine ganze Zeit nicht viel.
Vom 18. Juni ist dann eine interessante Beschreibung des Stromerzeugers zu finden, leider fehlt ein Stück der ersten Seite, aber das ist die bisher beste Beschreibung, die ich zu dieser Zeit finden konnte.

66a24905eb5b335053e615aa9fac049b43025f91.jpg
66a24905eb5b335053e615aa9fac049b43025f91.jpg (44.8 KiB) 1243 mal betrachtet
Lizenzbedingungen

c6666b35346118cd938301a1de1938cf3fe7b729.jpg
c6666b35346118cd938301a1de1938cf3fe7b729.jpg (36.9 KiB) 1243 mal betrachtet
Lizenzbedingungen

Da kann man schon ganz gut erkennen, wie der Stromerzeuger aufgebaut ist. Einige Details fehlen allerdings immer noch

Danach ist einigermaßen Ruhe. Am 1.November schreibt Coler jedoch Sandberg einen Brief, der bei den Akten liegt. Das ist das einzige handgeschriebene Dokument von Hans Coler, deshalb darf es hier natürlich nicht fehlen (und aus einem anderen Grund):

b20272af615f85d12b68e3ed6a11137ec395c180.jpg
b20272af615f85d12b68e3ed6a11137ec395c180.jpg (46.37 KiB) 1243 mal betrachtet
Lizenzbedingungen

6db807ce274fab2ea28dad5c55a5047cc88b365b.jpg
6db807ce274fab2ea28dad5c55a5047cc88b365b.jpg (37.78 KiB) 1243 mal betrachtet
Lizenzbedingungen

Zwei Monate vor Ablauf seines Vetrages in England schreibt er Sandberg einen Brief, in dem er schildert, dass der Stromerzeuger funktioniert.

Fortsetzung folgt...
Benutzeravatar
Rudi
Beiträge: 107
Registriert: 24.05.2018, 06:54

09.06.2018, 14:43

So, hier dann schon mal die Abschrift des Briefes von Hans Coler

f643b1de9d5710e24f821b42b9ed2832a0474ba0.jpg
f643b1de9d5710e24f821b42b9ed2832a0474ba0.jpg (56.93 KiB) 1240 mal betrachtet
Lizenzbedingungen
Benutzeravatar
Rudi
Beiträge: 107
Registriert: 24.05.2018, 06:54

09.06.2018, 14:46

So, und hier in der Anlage eine PDF-Datei mit der rekonstruierten Fassung. Die roten Buchstaben sind meine Interpretation und die des unabhängigen Sachverständigen. Wenn der Sachverständige anderer Meinung war, ist der Text alternativ blau dargestellt.

Gruß Rudi
Theapparatus.pdf
(12.81 KiB) 39-mal heruntergeladen
Antworten
  • Information