Marukhin Hydraulischer Energie-Generator HEG

Antworten
Uatu
Beiträge: 220
Registriert: 23.05.2018, 15:53

24.05.2018, 23:57

2017 war ein trübes Jahr für die Freie-Energie-Szene.

Einstige Hoffnungsträger verloren ihren Glanz. Keshe wurde als Betrüger verurteilt, und die Erwähnung seines seit Mitte 2016 gegen 2274,80 EUR Vorkasse bestellbaren "Off-Grid-Generators" ist den meisten seiner Anhänger inzwischen peinlich. Bei Rosch herrscht seit über einem Jahr weitgehender Stillstand, und das spektakulärste Ereignis des Jahres 2017 im Zusammenhang mit Rosch war das Zurückziehen der Klage gegen Wolfgang Süß wenige Minuten (!) vor Beginn der entscheidenden Gerichtsverhandlung. Vom QEG redet niemand mehr.

Neue Hoffnungsträger kamen über Startschwierigkeiten nie hinaus. Innova Tehno und MAGMOV haben nach zahlreichen gebrochenen Versprechungen im Laufe des Jahres mit den ausgefallenen Demonstrationen auf dem Schneider-Kongress 2017 in Graz auch in weiten Teilen der Freie-Energie-Szene ihre Glaubwürdigkeit verspielt. "Egira", der "Energiekonverter nach Schmid" und der "Bi-Toroid-Transformator" sind so offensichtliche Nullnummern, dass es vermutlich überflüssig sein wird, dass sich die Kritiker-Community überhaupt nennenswert damit auseinandersetzt.

Aber es gibt noch ein anderes System, auf das sich nun die Hoffnungen der Freie-Energie-Szene konzentrieren: Der Marukhin "Hydraulischer Energie-Generator HEG", oder "Hydraulic Energy Generator HEG", oder "Fluid Oscillation Generator FOG", oder "Resonanzwidder". Ursprünglich wurde dieses System 2005 durch einen Artikel in der von einem kleinen russischen Privatunternehmen herausgegebenen, unseriösen Zeitschrift "New Energy Technologies" (Issue #3 (22) 2005 (pdf)) öffentlich bekannt. Das ist übrigens die gleiche Zeitschrift, in der der Unsinns-Artikel erschienen ist, den Rosch seinerzeit als "wissenschaftliche Erklärung" für die Funktionsweise eines Auftriebskraftwerks ausgeben wollte.

Ein solcher "Hydraulischer Energie-Generator" ist ein zylinderförmiger Apparat, der angeblich ähnlich wie ein hydraulischer Widder funktioniert. Ein gewöhnlicher hydraulischer Widder ist eine Art Pumpe, die die Energie zu ihrem Betrieb aus fliessendem Wasser bezieht. Mittels der Fliessenergie einer grossen Wassermenge kann eine kleine Wassermenge (das Mengenverhältnis hängt von den konkreten technischen Daten ab, ein typischer Wert wäre 10:1) auf ein (deutlich) höheres Niveau angehoben werden. Das Prinzip ist seit 1772 bekannt, und wird auch heute noch insbesondere in Gegenden eingesetzt, wo kein elektrischer Strom zum Betrieb einer Pumpe zur Verfügung steht.

Ein "Hydraulischer Energie-Generator" soll das Gleiche leisten, jedoch ohne auf fliessendes Wasser zur Energieversorgung angewiesen zu sein. Da es keine andere nachvollziehbare Energiequelle gibt, werden für die angebliche Herkunft der Energie für Laien beeindruckend klingende, physikalisch jedoch völlig unsinnige Erklärungen wie "Kopplung an das Gravitationsfeld", "gravitative Energie" oder "Kopplung an atomare Gitterschwingungen" angegeben. Faktisch handelt es sich bei dem Konzept um ein Perpetuum Mobile.

Bei früheren Versionen des "Hydraulischen Energie-Generators" wurde angeblich mit dem durch die Pumpwirkung bewegten Wasser eine Turbine angetrieben, die ihrerseits einen Elektrogenerator antrieb. Bei späteren und aktuellen Versionen werden angeblich die durch den Widder-Effekt erzeugten Druckschwankungen im Wasser (im niedrigen kHz-Bereich) mittels eines Piezo-Elements direkt in elektrische Energie umgewandelt. Dabei werden fantastische Ausgangsleistungen wie z.B. 1,5 MW (!) für einen 80 cm hohen Zylinder behauptet.

Obwohl seit 2005 allerlei Gerüchte und Behauptungen im Umlauf sind, gibt es keinen einzigen (!) glaubwürdigen Bericht über einen real funktionierenden "Hydraulischen Energie-Generator" oder gar eine seriöse Untersuchung.

Ungefähr seit Ende 2015 engagiert sich das in der Freie-Energie-Szene sehr bekannte Schweizer Ehepaar Adolf und Inge Schneider zunehmend für den Marukhin "Hydraulischen Energie-Generator". Man gewinnt deutlich den Eindruck, dass die nicht mehr ganz jungen Schneiders nach zahllosen Fehlschlägen nun endlich als Krönung ihrer Karriere um jeden Preis den grossen Durchbruch der Freien Energie erzwingen wollen.

Mit dem "Hydraulischen Energie-Generator" wird das allerdings mit Sicherheit nichts. Obwohl bereits der anfängliche Eindruck sehr deutlich für einen Scam sprach, haben weitere Recherchen diesen Verdacht bis zur Offensichtlichkeit erhärtet. Deshalb eine sehr deutliche Warnung, die ich in ähnlicher Form bereits im November bei Allmystery veröffentlicht hatte:

Wer -- egal ob als Kunde, Investor, oder sonst irgendwie -- Geld in das Marukhin-System "investiert", bevor es einen absolut seriösen, absolut unabhängigen und absolut eindeutigen Funktionsbeweis gibt, bei dem jede Täuschung 100%ig ausgeschlossen ist, ist dumm. Tests in Räumlichkeiten, die direkt oder indirekt unter Kontrolle des Herstellers/Vertriebs stehen, erfüllen diese Bedingungen von vornherein nicht.

Diesen Funktionsbeweis wird es nie geben.


In Folgebeiträgen werde ich hier die in ähnlicher Form bereits bei Allmystery ab hier in Abständen veröffentlichten Rechercheergebnisse zum Marukhin "Hydraulischen Energie-Generator" posten.
Uatu
Beiträge: 220
Registriert: 23.05.2018, 15:53

25.05.2018, 00:24

Über einen Geschäftspartner (o.ä.) von V.V. Marukhin namens V.А. Kutienkov läuft seit einigen Jahren ein bemerkenswertes Angebot bei Alibaba, wo für 10 Millionen EUR (!) ein "Patent & revolutionary technology of 'green' power generator" angeboten wird. Neben diesem Angebot gibt es ein weiteres für eine "POWER STATION" mit der Beschreibung "Fuelless power stations of any power projected under individual contract on a turn-key basis". Dieses Angebot hat auch ein Bild, mit einem Handy zum Grössenvergleich. Die "POWER STATION" im Bild ist ein Metallzylinder, der ungefähr 2 Handys breit, und 3,5 Handys hoch ist.

Diese "POWER STATION" kommt mit der Angabe einiger technischer Daten auch in einem Marukhin-Werbevideo (@37:22) vor:


Marukhin_Hydro_Ram_Electric_Generator.jpg
Marukhin_Hydro_Ram_Electric_Generator.jpg (99.29 KiB) 1070 mal betrachtet

Ein bisschen Recherchieren ergab nun, dass es sich bei der "POWER STATION" im Bild eindeutig um eine einfache Tauchpumpe des Typs "TM 10" des italienischen Herstellers Ircem Industriale handelt:


Marukhin_Ircem_TM_10.png
Marukhin_Ircem_TM_10.png (220.76 KiB) 1070 mal betrachtet
(Ircem Catalogo, Seite 29)
Uatu
Beiträge: 220
Registriert: 23.05.2018, 15:53

25.05.2018, 00:28

Im Zusammenhang mit dem Marukhin-System ist immer wieder von Patenten die Rede. Insbesondere werden die folgenden Patentnummern des eurasischen Patentamtes (eapo.org) genannt, z.B. in diesem technischen Dokument (pdf): #5489, #10732, #19159, #20688. Diese Patente existieren und es sind auch tatsächlich erteilte Patente (und nicht nur -- wie meist in der Freie-Energie-Szene -- nur weitgehend wertlose Patentanmeldungen). Sie sind allerdings alle abgelaufen. Ausserdem erstreckten sie sich nur auf osteuropäische Staaten, waren also für den Rest der Welt sowieso nie relevant. Weitere Patente lassen sich den Herren Marukhin und Kutienkov beim eurasischen Patentamt nicht zuordnen.

Äusserst bemerkenswert ist, dass Marukhin & Co alle vier Patente sofort nach Erteilung (!) verfallen liessen (Ausnahme: die ersten beiden Patente haben sie nur für Russland, nicht jedoch für die 8 anderen Staaten noch einige Jahre aufrechterhalten).

#5489: Erteilt am 24.02.2005 für AM, AZ, BY, KG, KZ, RU, TJ, TM, MD. Abgelaufen für alle Staaten ausser RU am 18.12.2005. Abgelaufen für RU am 18.12.2009.

#10732: Erteilt am 30.10.2008 für AM, AZ, BY, KG, KZ, RU, TJ, TM, MD. Abgelaufen für alle Staaten ausser RU am 28.03.2009. Abgelaufen für RU am 28.03.2011.

#19159: Erteilt am 30.01.2014 für AM, AZ, BY, KG, KZ, RU, TJ, TM, MD. Abgelaufen für alle Staaten am 24.03.2014.

#20688: Erteilt am 30.01.2015 für AM, AZ, BY, KG, KZ, RU, TJ, TM, MD. Abgelaufen für alle Staaten am 18.11.2015.

Aus den Patentanmeldungen geht klar hervor, dass es sich faktisch um Perpetuum Mobiles handelt, auch wenn dieser Begriff selbst natürlich nicht verwendet wird. Z.B. steht in der Patentanmeldung zum ersten Patent EA005489:
Das wichtigste Merkmal dieser Maschine ist die Möglichkeit, Wasser ohne zusätzliche mechanische, chemische oder andere Energie auf ein höheres Niveau anzuheben.

(Patentanmeldung zum Patent EA005489 vom 17.12.2003 (pdf) -- Übersetzung von mir)
Es ist äusserst unwahrscheinlich, dass ein derartiges Patent vom europäischen (EPO) oder deutschen (DPMA) Patentamt erteilt worden wäre. Anscheinend sind die Anforderungen beim eurasischen Patentamt (EAPO) wesentlich niedriger.

Gerade bei den letzten beiden Patenten (wo die Laufzeit auch für Russland nicht verlängert wurde) liegt die Schlussfolgerung sehr nahe, dass es in keiner Weise um den Patentschutz, sondern einzig und allein um ein erteiltes Patent zu Showzwecken ging. Man muss sich den Irrsinn mal bewusst machen: Da erhält jemand das -- wenn's wirklich funktionieren würde -- wahrscheinlich bedeutendste Patent der Menschheitsgeschichte -- und lässt es sofort nach Erteilung verfallen. Einmal liesse sich eine solche Vorgehensweise vielleicht noch irgendwie sinnvoll erklären (finanzieller Engpass o.ä.), aber nicht mehrfach hintereinander.

Beim europäischen Patentamt konnte ich lediglich eine Patentanmeldung WO2005059370 vom 08.09.2004 finden, die seit dem 27.04.2007 den Status "deemed to be withdrawn" hat, also nicht mehr gültig ist. Von dieser Patentanmeldung gibt es auch eine deutsche Version DE1120040023238, die seit dem 27.03.2009 den Status "Die Anmeldung wurde zurückgenommen/auf das Schutzrecht wurde verzichtet" hat.

Im Zusammenhang mit den Patenten möchte ich auf den folgenden Abschnitt aus einer Präsentation von Herrn Schneider vom November 2016 hinweisen:
On January 30, 2014, V. V. Marukhin got the European patent EA019159 (B1).

(Präsentation von Adolf Schneider auf der World Clean Energy Conference 2016 am 03.11.2016 (pdf), Seite 32)
Das ist gleich in dreifacher Hinsicht irreführend: 1. war es kein europäisches, sondern ein eurasisches Patent (was ein wesentlicher Unterschied ist), 2. liessen es Marukhin & Co sofort nach Erteilung verfallen (die tatsächliche Laufzeit ab Erteilung betrug weniger als zwei Monate!), und 3. war es zum Zeitpunkt der Präsentation von Herrn Schneider schon lange abgelaufen.

Da es allem Anschein nach weltweit, und insbesondere für Westeuropa kein gültiges Patent gibt, stellt sich natürlich die Frage, was die Schneiders mit ihrer Lizenz wollen. Ohne gültiges Patent dürfte jedes beliebige Unternehmen den Apparat nachbauen und vermarkten, ohne dass die Schneiders oder Marukhin irgendetwas dagegen tun könnten. Letztendlich spielt das natürlich keine Rolle, weil das Ganze sowieso nicht funktioniert.
Uatu
Beiträge: 220
Registriert: 23.05.2018, 15:53

25.05.2018, 00:31

In Dokumenten, die sich mit dem Marukhin-System befassen, wird öfter ein bestimmtes Bild gezeigt, auf dem angeblich eine 100-kW-Anlage zu sehen ist, die 2003 in 50 m Wassertiefe vor der spanischen Küste getestet wurde. Der folgende Ausschnitt stammt aus dem im Eingangsbeitrag erwähnten Artikel in der Zeitschrift "New Energy Technologies":


Marukhin_NET_2005-03_Container.png
Marukhin_NET_2005-03_Container.png (68.4 KiB) 1069 mal betrachtet
(New Energy Technologies Issue #3 (22) 2005 (pdf), Seite 56)

Auch im NET-Journal wurde das Bild schon gezeigt:


Marukhin_NJ_2011-05_Container.png
Marukhin_NJ_2011-05_Container.png (108.74 KiB) 1069 mal betrachtet
(NET-Journal Mai/Juni 2011 (pdf), Seite 33)

Ein bisschen Recherchieren ergab nun, dass dieses Bild eindeutig aus dem Katalog des britischen Vakuumtechnik-Herstellers Edwards stammt, und eine gewöhnliche industrielle Vakuumpumpe vom Typ HV30000/40000 zeigt:


Marukhin_Edwards_HV30000.png
Marukhin_Edwards_HV30000.png (162.07 KiB) 1069 mal betrachtet
(Edwards Product Catalogue, Seite 173)
Uatu
Beiträge: 220
Registriert: 23.05.2018, 15:53

25.05.2018, 00:43

Es gibt inzwischen einen Werbeprospekt der schweizerischen TransAltec AG (neben der liechtensteinischen NovaEnerTec AG eine der beiden Technologie-Vermarktungs-Firmen der Schneiders) für das Marukhin-System, aus dem u.a. einige technische Daten und der Verkaufspreis hervorgehen.

Systembeschreibung:

[...]

[...] Die neueste Version ist 0,5 m hoch und liefert 0,8 MW. Derartige Systeme gewinnen Energie durch Kopplung an die atomaren Gitterschwingungen. Die Umwandlung der Fluidvibration in elektrische Energie geschieht über moderne piezoelektrische Keramikzylinder, die im Takt der Fluidvibration eine rechteckförmige Hochspannung erzeugen. Diese wird über eine Gleichrichterschaltung auf z.B. 1‘500 V gleichgerichtet und an einen zertifizierten Standard-Inverter angeschlossen, der mit moderner IGBT-Technologie arbeitet. Damit kann jede gewünschte Ausgangsspannung und -Frequenz generiert werden.

Marktvorteil:

Eine 0,8-MW- Anlage liefert pro Jahr knapp 7 GWh. Wenn mit einer solchen Anlage Netzstromkosten von 0,11 €Cts/kWh substituiert werden, entspricht dies einem Betrag von 0,74 Mio Euro jährlich. Eine Anlage amortisiert sich bei einem Gesamtinvestment von 0,8 Mio Euro in weniger als 2 Jahren.

(TransAltec AG -- Hydraulischer Energie-Generator HEG (pdf))

Ebenfalls interessant im Zusammenhang mit der Vermarktung des Marukhin-Systems ist der folgende Ausschnitt aus einer Email, die Herr Schneider im Oktober 2015 an Interessenten an NovaEnerTec AG verschickt hatte (diese Email kam auch im Zusammenhang mit Rosch schon vor, weil darin auch fälschlicherweise steht, Rosch's 10-m-Anlage wäre "vom TÜV Rheinland durchgemessen und positiv bewertet" worden):

Nachdem wir nun bereits seit mehreren Wochen in intensiven Kontakt mit Viacheslav Marukhin sind – er ist Doctor of Physical Sciences und Vice President of the holding company "Inversiones Mosten" (Spanien) -, haben wir der Firma Freshwell International Group das Marukhin-Projekt vorgestellt. Es handelt sich hier, wie im Protokoll beschrieben, ebenfalls um eine Technolo­gie, die Energie über Gravitationseinkoppplung nutzen kann. Allerdings geschieht dies hier über mecha­nische Vibration in einem hydraulisch-pneumatischen Prozess bei sehr hohen Drücken mit direkter Umwandlung in elektrische Energie über piezoelektrische Wandler (Weiterentwicklung des Konzep­tes des Hydraulischen Widders bzw. des Resonanzwidders), siehe hierzu auch: www.borderlands.de/net_pdf/NET0511S30-33.pdf .

Nach Eingabe der Projektunterlagen (ppt-Präsentation, Word-Projektbeschreibung und einer Exel-Ertragsrechnung der 1-MW-Anlagen) ist das Projekt am 7. Oktober akzeptiert worden. Das für den Einstieg in die Finanzierung erforderliche Startkapital ist zum grössten Teil bereits vorhanden. Für den Fall, dass Sie sich daran beteiligen möchten, können Sie sich bei uns per E-Mail melden. Als Gegenwert erhalten Sie dann entsprechende Partizipa­tionsanteile (ab 500.- CHF) bzw. Aktien (ab 5‘000.-CHF ) im Rahmen der nächsten Aktienerhöhung der NovaEnerTec AG. Diese wird künftig Anlagen von Marukhin vermarkten und bei Kunden im Contracting einsetzen.

Da wir schnell wissen müssen, ob Sie interessiert sind, bitten wir um umgehende Nachricht.

(Adolf Schneider am 12.10.2015)

Lt. den Aussagen von Herrn Schneider in einem Vortrag (Video) auf der BINNOTEC-Konferenz (Berliner Konferenz für innovative Energietechnologien) im November letzten Jahres haben die Schneiders die Lizenz inzwischen erworben. Es ist nicht sicher, dass die Finanzierung tatsächlich über das in der o.g. Email genannte Unternehmen gelaufen ist. Die Vermarktung soll anscheinend inzwischen statt der NovaEnerTec AG die TransAltec AG übernehmen.

Bei der Bezeichnung "Inversiones Mosten" für Marukhin's spanische Firma handelt es sich möglicherweise um einen Fehler. Verschiedene andere Quellen deuten auf die Firma "Inversiones Aquamash S.L." (S.L. entspricht einer GmbH) auf Teneriffa hin.

Es gibt von Marukhin ein ca. eine Stunde langes, herunterladbares Video (englisch), in dem die Theorie und die Entwicklung des Systems beschrieben wird: http://yadi.sk/d/9CN509gHhoWgq (ca. 386 MB, wohl eher nur für Hartgesottene)

Abschliessend noch ein Ausschnitt aus einem Paper von Herrn Schneider zu der schon mehrfach erwähnten Präsentation vom November 2016:

[Marukhin] informed us that several dozens plants of different sizes and power are already licensed in Europa und in Russia. The name and location of the companies which use his technology already in the industry cannot be given up for comprehensible reasons.

("The Impact of NOVEL Energy Technologies to the Future of Mankind" -- Adolf Schneider -- 10.11.2016 (pdf))

"Geheime" Kunden, deren Namen und genaue Standorte niemand kennt, irgendwo in Europa und Russland. Wo hab' ich bloss so was ähnliches schon mal gehört? :D (Unkundige klicken hier).
Uatu
Beiträge: 220
Registriert: 23.05.2018, 15:53

25.05.2018, 00:48

Bei YouTube gibt eine russische Version des oben verlinkten (englischen) Marukhin-Videos (Theorie und Entwicklung des Systems). Zum kurz-mal-reingucken ist das sicher bequemer, als sich die ca. 386 MB der englischen Version runterzuladen. Die YouTube-Version ist ca. 10 min kürzer (ca. 47 min), u.a. weil ein Abschnitt über einen Druckkammer-Test herausgeschnitten wurde.

Uatu
Beiträge: 220
Registriert: 23.05.2018, 15:53

25.05.2018, 00:54

Im August 2009, d.h. vor über 8 Jahren, ist in Russland (lustigerweise gleichzeitig auf den Websites proatom.ru und antiatom.ru) ein interessanter Artikel eines weiteren Geschäftpartners (o.ä.) von Marukhin namens Valentin I. Ivanov erschienen:

Original -- Englische Übersetzung -- Deutsche Übersetzung

Bei guten Englisch-Kenntnissen ist die englische Übersetzung der deutschen deutlich vorzuziehen.

Den m.E. interessantesten Teil des Artikels möchte ich hier (zur besseren Verständlichkeit manuell übersetzt und in Absätze aufgeteilt) als Zitat wiedergeben:
Derzeit verfügen die Erfinder und ihre Unterstützer am gleichen Ort, in Spanien, über drei Unternehmen und ein Entwurfs-Büro, die Generatormodule zur Erzeugung von elektrischer Energie entwickeln und herstellen. Seit 2006 existiert eine erfolgreich arbeitende internationale Holdinggesellschaft, mit der Zentrale in einem westeuropäischen Land, die drei Unternehmen aus Spanien, drei Unternehmen aus Russland, zwei Unternehmen aus Polen, und jeweils ein Unternehmen aus Frankreich, Tschechien, den Niederlanden, Deutschland, Litauen, Griechenland, Mauretanien, Senegal, Marokko und Argentinien umfasst. Es laufen Verhandlungen über die Organisation ähnlicher Gemeinschaftsunternehmen im Rahmen der Holding mit Partnern aus Kanada, den USA, Norwegen, Finnland, Lettland, Mexiko und Chile.

Eine Reihe von Gemeinschaftsunternehmen der Holding bereiten die Serienproduktion von Komponenten für Hochleistungs-Generatormodule vor. Insbesondere die Gemeinschaftsunternehmen in Kanada und den USA werden darauf ausgerichtet sein, die Serienproduktion von Modulen mit beliebiger Kapazität in den Luft- und Raumfahrtfabriken dieser Länder zu organisieren. Die französische Aktiengesellschaft wurde gegründet, um die Serienproduktion einer Reihe von Bauteilen in den Fabriken der Europäischen Union zu organisieren. Diese Unternehmen sind, so wie die spanischen Unternehmen der Holdinggesellschaft Module in Fabriken in Spanien produzieren, Herstellungsunternehmen. Die verbleibenden Gemeinschaftsunternehmen der Holding sind Generator-Unternehmen [?] und wurden mit dem Ziel gegründet, auf dem entwickelten Markt für Kraftwerksanlagen zu verkaufen. Das europäische Energie-Zentrum, das afrikanische Energie-Zentrum und das südamerikanische Energie-Zentrum werden von den Unternehmen dieser Holding gebildet, um jeweils ihre eigenen Probleme zu lösen. Zur Differenzierung ihres Geschäfts wurden Generatormodule entwickelt, die sich durch Optik und Design bei gleicher Nennleistung unterscheiden.

Bei einer Reihe solcher Entwicklungen wurden in verschiedenen Ländern nationale Patentanträge eingereicht, um das Geschäft im jeweiligen Land zu schützen, und entsprechende nationale Patente wurden erteilt. Zum Beispiel wurde das Funktionsprinzip der Wasserhebevorrichtung im eurasischen Patent Nr. 005489, d.h. der Vorrichtung im ersten Patent, das in Russland 2005 erteilt wurde, und für das ein wohlbekanntes 500-kW-Modul gebaut wurde, im "Wasserkraftwerk" wiederholt, zu dem das deutsche Patent Nr. DE202006005388U1 erteilt wurde.

Im Jahr 2007 fanden die gleichen Erfinder und ihre anderen Mitautoren einen Weg, die für den Betrieb der Wasserhebevorrichtung erforderliche Höhe der Wassersäule zu reduzieren. Tatsächlich wurde eine andere, neue und verbesserte Wasserhebevorrichtung entwickelt, die als "Unterwasser-Hydraulik-Widder" bezeichnet wird. Für diese Erfindung wurde 2008 in Russland ein weiteres eurasisches Patent Nr. 010732 erteilt und nationale Patentanmeldungen wurden in anderen Ländern eingereicht. Die neue Erfindung ermöglichte die Entwicklung eines Bauplans für ein Generatormodul mit einer Wassersäulenhöhe von nur 0,2 Metern. Ein solches Modul könnte in einem Wassergefäss von 300 mm Höhe und 80 mm Durchmesser arbeiten. Dadurch wurde es möglich, das gesamte Wasser, das für den Betrieb des Moduls erforderlich ist, in einem relativ kleinen Reservoir, mit der Wasserturbine oberhalb der Wasseroberfläche unterzubringen. Das erste Generatormodul bzw. "Wasserkraftwerk mit einer Wasserturbine über der Wasseroberfläche", das in dieser Grösse gebaut wurde, erhielt die Bezeichnung "EGM-0,003YH-0,23-07", und ist auf einem Foto in N. Popovas Artikel abgebildet. Im Jahr 2009 wurde nach diesem konstruktiven Schema das Modul "EGM-1000YHSp-4-08" mit einer elektrischen Ausgangsleistung von 1000 kW (Bild 1) gebaut, das als Basismodul für Kraftwerke mit beliebiger großer Kapazität dienen wird und bereits erfolgreich arbeitet.

Ausserdem wird erfolgreich an der Entwicklung eines speziellen kleinformatigen Moduls mit einer Ausgangsleistung von 1 kW "EGM-1YHFr-0.25-08" (Bild 2) gearbeitet, das das Basismodul für kleine, sich nicht entladende Batterien sein wird, die im alltäglichen Leben im Luft-, Wasser- und Landverkehr eingesetzt werden.

Es bleibt also nur noch sehr wenig Zeit, bis diese Erfindung in Form von grundlegend neuen Kraftwerksanlagen von Unternehmen der Holding, zum Beispiel aus Deutschland oder Frankreich, auf dem Weltmarkt erscheinen wird, mit allen Konsequenzen, die sich daraus für Russland und andere Öl- und Gasförderländer ergeben werden.

(Valentin I. Ivanov am 11.08.2009 -- Übersetzung von mir)
Angeblich blieb also vor über 8 Jahren nur noch "sehr wenig Zeit", bis die revolutionären Marukhin-Freie-Energie-Generatoren den Weltmarkt erobern würden, und es stand zu diesem Zweck ein Unternehmensgeflecht bereit, das -- falls es wirklich in diesem Umfang existiert hat -- sogar Rosch neidisch machen würde. Da vermutlich bis vor Kurzem kaum ein Leser hier (und noch weniger die Öffentlichkeit) etwas von Marukhin und seinen Freie-Energie-Generatoren gehört haben dürfte, scheint das irgendwie nicht geklappt zu haben. Andererseits wurden die Protagonisten aber offensichtlich auch nicht von der Energiemafia ausgeschaltet, da sie (oder zumindest Marukhin) ja aktuell fröhlich Geschäfte mit den Schneiders machen.

Dass die Situation mit den Patenten erheblich bescheidener als im Artikel dargestellt ist, hatte ich ja kürzlich schon erläutert. Ausserdem fällt dem Kundigen sofort auf, dass das "U" in der angegebenen deutschen "Patentnummer" DE202006005388U1 bedeutet, dass es sich nicht um ein Patent, sondern nur um ein Gebrauchsmuster handelt. An ein Gebrauchsmuster werden wesentlich geringere Anforderungen als an ein Patent gestellt, es bietet aber auch nur eine wesentlich geringere Schutzwirkung. Ausserdem war das genannte Gebrauchsmuster (übrigens das einzige, dass ich auf die Schnelle Marukhin & Co beim DPMA zuordnen konnte), zu dem Zeitpunkt, als der Artikel erschienen ist, schon über 4 Monate abgelaufen.

Zumindest einen Kooperationspartner in Latveria Lettland konnte ich identifizieren, da dieser ungefähr zur gleichen Zeit, als der Artikel erschienen ist (August 2009), einen (nicht sonderlich professionellen) Finanzierungsantrag (pdf) (englisch) über 2,2 Millionen EUR für eine Demonstrationsanlage (Produktion der ersten Serien-Generatoren, und deren Zertifizierung und Präsentation) an ein rumänisches Energy Innovative Financial Network (EIFN) gestellt hat. Bemerkenswert ist darin die Aussage: "According to an independent expert appraisal patent cost makes more 4'000'000'000.00 Euro". Die 4 Milliarden Euro sollen wohl der Wert der Patente sein. Diese "unabhängige Experten-Bewertung" würde ich doch gerne mal sehen. ;)
Uatu
Beiträge: 220
Registriert: 23.05.2018, 15:53

25.05.2018, 00:57

Beim Prozess gegen Mike Brady (Perendev), der 2010 wegen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt wurde, spielten seine Lügen über angeblich bereits in Betrieb befindliche Anlagen eine wesentliche Rolle. Die Schneiders haben Brady seinerzeit massiv unterstützt, und u.a. 2007 diesen umfangreichen 9-seitigen Jubel-Artikel veröffentlicht: "Perendev-Magnetmotor startet in den Markt!" (pdf), in dem u.a. von 60 international installierten und problemlos laufenden Anlagen die Rede ist.

Ich möchte deshalb in diesem Beitrag speziell auf die Aussagen der Schneiders in Bezug auf angeblich bereits in Betrieb befindliche Marukhin-Anlagen eingehen. Dabei ist wichtig, dass diese Aussagen eine ganz andere Tragweite dadurch bekommen, dass sie von den Schneiders nicht nur -- wie es bei Brady der Fall war -- in ihrer Eigenschaft als Journalisten, sondern auch als Lizenznehmer und Vertreiber des beschriebenen Systems gemacht werden.

Aus der NET-Journal-Ausgabe September/Oktober 2017:
Bereits werden solche Systeme zur Substituierung von Dieselanlagen bei Wasserentsalzungsanlagen eingesetzt. Bei einer polnischen Lokomotive ermöglicht der eingebaute Hydraulische Energiegenerator einen Betrieb ohne externen Fahrzeugstrom und ohne Treibstoff.

(NET-Journal September/Oktober 2017 (pdf))
Aus einem Vortrag von Herrn Schneider auf der der BINNOTEC-Konferenz (Berliner Konferenz für innovative Energietechnologien) Mitte November 2017:
Fragesteller: Ist es auch technisch erwiesen, dass es funktioniert, oder ist das jetzt 'ne Spekulation?

Herr Schneider: Also es ist so: Es ist keine Spekulation. Der, der das berechnet hat, ist ein hochkarätiger Wissenschaftler. Es gibt x Unterlagen dazu. Hier [blättert durch das neu herausgekommene Schneider-Buch zum Thema] können Sie die ganzen Berechnungen nachlesen. Sie müssen nur reinschauen. Und dann müssen Sie noch Spezialist sein, auf Hydraulik. Aber Sie können ja zum Hydrauliker gehen, der kann das nachrechnen.

Fragesteller: Und in welchem Land wird das schon vertrieben? Weil Sie sagten, es wird ja schon vertrieben.

Herr Schneider: In verschiedenen Ländern. Es wird in afrikanischen Ländern vertrieben, in Spanien ist die Holding von der Firma, es wird in Frankreich vertrieben, in Deutschland gibt's Anlagen, ich kann nur nicht sagen, wo, beim wem. Sie können also nicht hingehen, das ist der Nachteil.

(Vortrag von Adolf Schneider auf der BINNOTEC-Konferenz im November 2017 -- im Video @13:22)
Aus der NET-Journal-Ausgabe November/Dezember 2017:
Dr. Marukhin und sein Team hatten bereits 2003 grössere Anlagen gebaut, die im Meer versenkt werden mussten. [...]

Die damals noch 7,5 Meter hohen Anlagen wurden verkauft, auch nach Deutschland, geheim, zum Teil, um Dieselanlagen zu ersetzen.

(NET-Journal November/Dezember 2017 (pdf))
Aus einem anderen Artikel in der dieser NET-Journal-Ausgabe:
Laut Aussage des Miterfinders V. Kutienkov vom Juli 2016 in Moskau wurden bereits mehrere Dutzende solcher Geräte in verschiedenen Ländern - vor allem in Russland - verkauft. Doch die Tatsache, dass es bisher weder in Russland noch in Spanien noch in Griechenland möglich war, eine Zulassung für diese revolutionäre Technologie zu erhalten, zwang die Pioniere zur “Unter-der-Hand-Einführung”. Derzeit werden solche Geräte zum Beispiel an Stelle von Dieselgeräten bei Wasserentsalzungsanlagen in Ländern am Meer eingesetzt - oder als Ersatz von Oberleitungen beim Antrieb von Lokomotiven/Zügen: Ein Beispiel dafür gibt es in Polen.

(NET-Journal November/Dezember 2017 (pdf))
Die Parallelen zu den angeblich in Betrieb befindlichen Anlagen von Perendev, und denen von Rosch (siehe dazu meinen umfangreichen Beitrag "Rosch's Märchen im Wandel der Zeit" bei Allmystery) könnten kaum deutlicher sein. Aber zweifellos wird es auch in diesem Fall wieder Dumme geben, die meinen: "Diesmal ist alles anders!".

Nun noch zu einem anderen, ebenso typischen Aspekt von Freie-Energie-Scams. In der NET-Journal-Ausgabe September/Oktober 2017 stand:
Die Autoren [= die Schneiders] und Geschäftsführer von Schweizer Firmen wollen als Lizenznehmer der modernsten Version für mehrere europäische Länder und die Schweiz bereits anfangs 2018 über ihre Firmen 800-kW-Geräte anbieten. Potenzielle Käufer können schon Ende 2017 in St. Petersburg einen Prototypen in Funktion sehen.

(NET-Journal September/Oktober 2017 (pdf))
Bitte an dieser Stelle kurz innehalten, und sich die Aussage des letzten Satzes ganz konkret bewusst machen.

Ende November schrieb ich bei Allmystery dazu:
Es ist leicht vorherzusagen, was geschehen wird: Es wird entweder "unerwartete" Verzögerungen geben, oder eine Rosch-Style-Vorführung mit versteckter Energiezuführung (was die Schneiders natürlich entrüstet zurückweisen werden).

(uatu am 28.11.2017)
In der nächsten NET-Journal-Ausgabe stand dann:
Bei einem Meeting in Wien vom 23. Oktober mit ihrem Freund und Kooperationspartner Pavel E., St. Petersburg, wurde besprochen, dass die Redaktoren Ende 2017 im dortigen Labor erste hydraulische Funktiontests des in Bau befindlichen 1-MW-Prototypen eines anderen Lizenznehmers sehen können. Tests ihres eigenen 800-kW-Prototypen sind voraussichtlich im Februar/März 2018 möglich.

(NET-Journal November/Dezember 2017 (pdf))
Man beachte die Unterschiede: Bei der Vorführung Ende dieses Jahres ist statt von den "potenziellen Käufern" nur noch von den "Redaktoren" (d.h. den Schneiders) die Rede. Statt von der Version, die die Schneiders vertreiben wollen, ist nur noch von einer abweichenden Version eines anderen Lizenznehmers die Rede. Statt von "in Funktion" ist nur noch von "ersten hydraulische Funktiontests" die Rede. Die Vorführung, die im vorhergehenden NET-Journal für Ende 2017 angekündigt wurde, ist auf Februar/März 2018 verschoben. Die in der Freie-Energie-Szene absolut typischen dauernden Verschiebungen haben also bereits begonnen.
Uatu
Beiträge: 220
Registriert: 23.05.2018, 15:53

25.05.2018, 00:59

Dem User poipoi bei Allmystery war aufgefallen, dass das "Train"-Bild, das im Marukhin-"Invention"-Video (in der russischen YouTube-Version @44:00) gezeigt wird, vermutlich die "polnische Lokomotive" darstellen soll, die Herr Schneider öfter als bereits in Betrieb befindliches Marukhin-System nennt:

Marukhin_Train.jpg
Marukhin_Train.jpg (201.22 KiB) 1067 mal betrachtet

Weiterhin hatte poipoi festgestellt, dass die Aufschrift "Elektriraudtee" der Name einer staatseigenen Eisenbahngesellschaft in Estland ist (die inzwischen unter Elron firmiert, was aber nicht relevant ist).

Bei genauer Betrachtung fällt natürlich auf, dass das Bild in sich eine ganze Reihe von Merkwürdigkeiten und offensichtlichen Manipulationen (z.B. beim Dach im oberen Teilbild) aufweist. Darum soll es aber in diesem Beitrag nicht gehen.

Inzwischen ist uns gelungen, den im Bild gezeigten Steuerwagen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf zwei spezifische Exemplare einzugrenzen. Eine Reihe von optischen Details erlauben einen ziemlich sicheren Schluss auf den russischen Typ ET2R, von dem insgesamt nur wenige Exemplare gebaut wurden, von denen genau zwei nach Estland geliefert wurden (siehe den russischen Wikipedia-Artikel zur Modellreihe ET2). Es handelt sich um die Steuerwagen mit den Nummern EVR 2501 und EVR 2502. Da der Eisenbahn-Fuhrpark in Estland relativ übersichtlich ist, sind diese beiden Steuerwagen mit einer ganzen Menge Bildern und Videos im Internet vertreten. Sie wurden 2002 an Estland geliefert und 2013 von dort an Lettland verkauft. Ca. 2008 wurde die Farbgestaltung von dem Design im obigen Bild auf ein dunkelblaues Design geändert.

Aus verschiedenen Details des Bilds (u.a. dem noch blauen Schienenräumer und den weissen Streifen auf den Türen) kann man ausserdem schliessen, dass das Bild nicht allzu lange, vermutlich in den ersten ein bis zwei Jahren nach der Lieferung, d.h. ungefähr im Zeitraum von 2002..2004 entstanden ist.

Man kann davon ausgehen, dass die Geschichte dieser beiden Steuerwagen seit dem Tag ihrer Lieferung nach Estland lückenlos dokumentiert ist. Ganz besonders bei einer staatseigenen Eisenbahngesellschaft ist eine zwischenzeitliche Verwendung für Freie-Energie-Experimente vollkommen unrealistisch. Nicht nur unrealistisch, sondern vollkommen abwegig ist die Vorstellung eines "geheimen" Regelbetriebs mit Freier Energie. Sowas wäre -- vom physikalischen Aspekt mal ganz abgesehen -- unmöglich geheimzuhalten.

Der "geöffnete Kasten" im obigen Bild dürfte also entweder normale Eisenbahntechnik zeigen (was sich mangels eines Vergleichsbilds für den "geöffneten Kasten" nicht klären liess) oder das Bild ist ganz einfach ein Fake.

Besonders viele Punkte bringen diese Erkenntnisse natürlich nicht, u.a. da es meines Wissens nach bisher keine dokumentierte Aussage von Herrn Schneider gibt, dass das obige Bild seine "polnische Lokomotive" darstellen soll. Zumindest das Bild im Video wird dadurch aber noch deutlich unglaubwürdiger, als es sowieso schon ist. Es wäre ausserdem denkbar, dass es uns bisher noch nicht bekannte dokumentierte Aussagen von Marukhin & Co zu diesem Bild gibt, die sich bei Bekanntwerden nun u.U. deutlich schneller auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen lassen.
Uatu
Beiträge: 220
Registriert: 23.05.2018, 15:53

25.05.2018, 01:01

Es ist mir gelungen (was in diesem Fall wirklich hart war) das Schiff zu identifizieren, das im Marukhin-"Invention"-Video (in der russischen YouTube-Version @20:48) gezeigt wird:


Marukhin_Ship.jpg
Marukhin_Ship.jpg (133.32 KiB) 1054 mal betrachtet

Es handelt sich eindeutig um den Tanker FAYCAN (IMO 9107708) (unter dem Link finden sich mehrere Dutzend, z.T. recht gute Fotos -- dabei bitte beachten, dass die Farbe des unteren Rumpfbereichs im Lauf der Zeit unterschiedlich war), mit dem Heimathafen Santa Cruz de Tenerife. Das Schiff gehört zur Flotte des kanarischen, auf den Seetransport von Erdölprodukten spezialisierten Unternehmens Distribuidora Marítima Petrogás, S. L. U., und wird u.a. zum Transport von Flugzeugtreibstoff eingesetzt.

Das, worauf der Pfeil im Bild zeigt, ist eindeutig (wie man auf vielen Fotos des Schiffs klar sehen kann) ein gewöhnlicher Kran. Das soll allerdings -- da ist der Text zum Pfeil im Bild missverständlich -- auch in der Marukhin-Story so sein. Das geht aus den Erläuterungen des Sprechers im Video hervor. Angeblich soll das eigentliche 500-kW-Modul vom Schiff aus zum Testen in 20 m Wassertiefe versenkt worden sein.

Das Bild lässt sich also durch die Identifizierung des Schiffs allein nicht 100%ig debunken. Es ist allerdings extrem unglaubwürdig, dass solche Tests mit einem über 100 m langen Tanker durchgeführt worden sein sollen, der zu allem Überfluss auch noch einem Unternehmen gehört, das in der Vorstellungswelt der Freie-Energie-Gläubigen eindeutig der Energiemafia zuzuordnen ist.
Uatu
Beiträge: 220
Registriert: 23.05.2018, 15:53

25.05.2018, 01:06

Die bisherige Krönung des Marukhin-Debunkings gelang dem User poipoi von Allmystery, dessen entsprechenden Beitrag ich hier vollständig wiedergeben möchte:
Schwenken wir noch einmal kurz von Rosch zu Marukhin, dem neuen Stern am Himmel der freien Energie, der von den Schneiders hoffnungsvollst beworben wird. Unter anderem damit, dass zwei industriell aussehende Röhren gezeigt werden, die die „Heureka-Maschine“ des Herrn Marukhin beherbergen sollen. Dazu heißt es in diesem Artikel von der spanischenHoldinggesellschaft Inversiones Mosten (bzw. Aquamash) :
(übersetzt)Im Jahr 2009 wurde nach diesem konstruktiven Schema das Modul "EGM-1000YHSp-4-08" mit einer elektrischen Ausgangsleistung von 1000 kW (Bild 1) gebaut, das als Basismodul für Kraftwerke mit beliebig großer Kapazität dienen wird und bereits erfolgreich arbeitet.

oder wie Herr Schneider im NET-Journal September/Oktober 2017 zu dem Bild schreibt:
Hier sind zwei nebeneinander angeordnete Anlagen älterer Bauart zu sehen, die in einem Kraftwerk eingebaut sind.

Marukhin_NJ_2017-09_Towers.png
Marukhin_NJ_2017-09_Towers.png (166.03 KiB) 1052 mal betrachtet

Vorausgeschickt sei, dass die Marukhin Firma "Inversiones Aquamash S.L." sich auf Teneriffa befindet. Besuchen wir einmal diese schöne Insel. Was wir dort finden sind zwei weiß-blaue Türme, Zementsilos der Firma „Cimpor Canarias“, die ganz sicher nicht mit freier Energie, sondern mit Beton handelt.


Marukhin_Cimpor_Canarias_Overview.jpg
Marukhin_Cimpor_Canarias_Overview.jpg (64.81 KiB) 1052 mal betrachtet

Per Google Street View kann man sogar direkt vor das Tor fahren.


Marukhin_Cimpor_Canarias_Gate.png
Marukhin_Cimpor_Canarias_Gate.png (267.28 KiB) 1052 mal betrachtet

Um ganz sicher zu gehen, fahren wir mit Google Street View einmal an die Stelle, von der Herr Marukhin das Bild gemacht hat.


Marukhin_Cimpor_Canarias_Original_View.png
Marukhin_Cimpor_Canarias_Original_View.png (289.58 KiB) 1052 mal betrachtet

Damit dürften sich jegliche Zweifel zerstreut haben.

Wir sind aber noch nicht ganz am Ende.
Besagte Zementsilos befinden sich relativ nah an der Küste, man hat einen schönen Blick auf's Wasser und auf die Schiffe, die dort passieren. Eines davon ist die Faycan, die @uatu großartigerweise gefunden hat. Genau dort verläuft die bevorzugte Route dieses herkömmlichen Tankschiffes, das mit freier Energie mit Sicherheit ebenso wenig zu tun hat, wie oben genannte Zementsilos.


Marukhin_Cimpor_Canarias_Map.png
Marukhin_Cimpor_Canarias_Map.png (213.13 KiB) 1052 mal betrachtet

(poipoi am 13.12.2017)      
Uatu
Beiträge: 220
Registriert: 23.05.2018, 15:53

25.05.2018, 01:10

Es ist bemerkenswert, wie hemmungslos die Schneiders die offensichtlichen Lügengeschichten von angeblich bereits in Betrieb befindlichen Marukhin-Anlagen verbreiten. Ich hatte oben schon mal einen längeren Beitrag dazu gepostet. Ergänzend dazu ein Auszug aus dem Werbetext für das neue Schneider-Buch "Die Heureka-Maschine" (Danke an den User woodpeckerLE von Allmystery für den Hinweis):
Der Erfinder der revolutionären Maschine, V.V. Marukhin, Doktor der technischen Wissenschaften, hat [...] ein neuartiges Energienutzungs-Konzept entwickelt, das bereits seit mehr als 10 Jahren im Einsatz ist und vermarktet wird. [...] Die ersten autonom arbeitenden Anlagen im Leistungsbereich von 100 kW von wurden im Jahr 2003 im Mittelmeer getestet. Die eigentliche Markteinführung erfolgte in den folgenden Jahren mit Geräten von 500 kW und einer Grösse von 7,5 Höhe und 2,5 m Durchmesser. Seit 2009 stehen Anlagen im Hochdruckbereich für eine Leistung von 1 MW zur Verfügung, die nur noch ein Zehntel der früheren Grösse aufweisen. [...] [Die Autoren] haben eine Lizenz zur Fertigung derartiger Energieanlagen erhalten und werden die neue Technologie ab 2018 im Rahmen ihrer eigenen Firmen und kooperierender Partnerunternehmen vermarkten.

(Werbetext für das Buch "Die Heureka-Maschine" von Adolf & Inge Schneider)
Die Schneiders scheinen der Illusion zu unterliegen, dass sie als Unternehmer genauso folgenlos Unsinn verbreiten können wie als Journalisten und Buchautoren. Dem ist nicht so. Unternehmer unterliegen in den allermeisten Ländern einer erheblich strengeren Sorgfaltspflicht, und haften i.d.R. für öffentliche Werbeaussagen auch dann, wenn sie nicht unmittelbar der Vermarktung des entsprechenden Produkts dienen. Ein Unternehmer kann sich dabei nicht darauf zurückziehen, Aussagen von einem Lieferanten (bzw. Lizenzgeber) ungeprüft übenommen zu haben, insbesondere dann nicht, wenn diese extrem unglaubwürdig sind, z.B. weil sie den anerkannten naturwissenschaftlichen Gesetzmässigkeiten massiv widersprechen. Man stelle sich z.B. einen Spielwarenhändler vor, der sich mit folgender Aussage aus der Affäre ziehen will: "Aber Herr Richter, der Lieferant hat mir versichert, dass man mit diesem Supermann-Kostüm fliegen kann!".
Uatu
Beiträge: 220
Registriert: 23.05.2018, 15:53

28.05.2018, 03:25

In den Leseproben zum NET-Journal März/April ist ein Artikel zu angeblichen Fortschritten beim "Marukhin Hydraulischer Energie-Generator" enthalten. In der Einleitung schreiben die Schneiders:

Die Fortschritte bei der "effizientesten Energiemaschine der Welt" verlaufen zweigleisig: Einesteils verkauft sich das Buch der Redaktoren "Die Heureka-Maschine - Der Schlüssel von Dr. V. V. Marukhin zur Energiezukunft" ausnehmend gut (seit September 2017 wurden bereits über 1’500 Exemplare verkauft. [...]). Anderseits gibt es Neuigkeiten aus dem Labor von Pavel Elfimov, der die ersten Prototypen der neusten Version baut.

(NET-Journal März/April 2018 (pdf))

Knapp die erste Hälfte des eigentlichen Artikels nimmt ein Rückblick auf die bisherigen Geschehnisse ein, hat also nichts mit "Fortschritten" zu tun. Der Rest des Artikels befasst sich im wesentlichen damit, dass die Stahlröhre eines Prototypen 10 Tage lang einem Innendruck von ca. 3000 bar standgehalten hat. Das mag ordentlicher Maschinenbau sein, ist aber im Endeffekt ein kaum erwähnenswertes Detail, und erinnert in dieser Hinsicht an die seinerzeitige GAIA-Meldung: "Der Generator ist eingetroffen!". Von ernsthaften "Fortschritten" kann also auch bei diesem Punkt keine Rede sein.

Fassen wir also zusammen: Anstelle der ursprünglich für Ende 2017 angekündigten Vorführungen eines "Prototypen in Funktion" bestehen die bisherigen "Fortschritte" in ca. 30.000 EUR Umsatz (ca. 1.500 Exemplare * ca. 20 EUR Kaufpreis des Buchs) basierend auf Lügen (" ...ein neuartiges Energienutzungs-Konzept [...], das bereits seit mehr als 10 Jahren im Einsatz ist ...") und substanzlosen Versprechungen ("Der Schlüssel [...] zur Energiezukunft"), und kaum erwähnenswerten technischen Details (eine Stahlröhre kann einem bestimmten Innendruck standhalten).

Zum weiteren Ablauf machen die Schneiders folgende Angaben:
Pavel rechnet damit, dass erste Tests [eines 1-MW-Prototypen eines anderen Lizenznehmers] im Juni/Juli durchgeführt werden können. Die Redaktoren können diesen dann beiwohnen. Parallel dazu wird Pavel mit dem Bau ihres 800-kW-Prototypen beginnen. Nach Überwindung der Hürden für den Bau des ersten Prototypen wird der Bau des 800-kW-Prototypen nur noch drei Monate beanspruchen.

(NET-Journal März/April 2018 (pdf))

Bei dem mit dem Bau der Prototypen befassten Pavel Elfimov in St. Petersburg bin ich mir bisher unschlüssig, ob er den Tätern oder den Opfern zuzurechnen ist. Das wird sich sehr wahrscheinlich daran zeigen, ob es von ihm zu verantwortende Fake-Vorführungen geben wird oder nicht. Es kann aber noch lange dauern, bis es soweit ist. Falls mit "erste Tests" in obigem Zitat überhaupt schon Funktionstests gemeint sind, wird sich der Zeitpunkt sehr wahrscheinlich noch -- wie üblich aufgrund von "unerwarteten" Verzögerungen -- nach hinten verschieben.

Es wäre für Marukhin und die Schneiders eigentlich sehr einfach, ihre Glaubwürdigkeit nachzuweisen. In verschiedenen Marukhin-Videos wird ein kleiner, leicht in einer Hand zu haltender "Hydraulischer Energie-Generator" mit einer angeblichen Ausgangsleistung von 20 kW gezeigt (z.B. in der russischen YouTube-Version des "Invention"-Videos ca. @45:00):


Marukhin_Mini_HEG.jpg
Marukhin_Mini_HEG.jpg (139.17 KiB) 1050 mal betrachtet

Es sollte doch überhaupt kein Problem für Marukhin sein, den Schneiders als geschätzten Lizenznehmern (u.a. für CH, DE, AT, IT, LU, LI -- wahrscheinlich finanziert von einem naiven Dritten) ein (funktionierendes ...) Exemplar eines solchen Mini-Hydraulischen-Energie-Generators zu überlassen. Den könnten die Schneiders dann in den Räumlichkeiten (!) und unter Aufsicht eines renommierten Schweizer Notars längere Zeit mit einer Last von mehreren kW laufen lassen, und den Kritikern wäre der Wind aus den Segeln genommen. Das wird nie geschehen. Es wird in dieser Hinsicht nichts weiter als Ausreden geben. Marukhin kann den Schneiders kein funktionierendes Exemplar überlassen, weder in dieser noch in irgendeiner anderen Grösse, weil der "Marukhin Hydraulischer Energie-Generator" nichts weiter als ein Scam ist.
Antworten
  • Information